Wie der Blinde so Advent feiert – (Kapitel 2)

Tiefe Stille liegt noch über der Wohnung im ersten Stock in der Seitenstraße nahe des Parks. In Manfreds Zimmer verbreitet die Steckdosenleuchte sanften Schimmer. In der Adventszeit ist es eine Weihnachtsmannleuchte. Sabine findet das rötliche Licht sehr angenehm bis anregend. Doch auf Manfred wirkt das nicht. Seine toten Augen können es nicht wahrnehmen. Jetzt um kurz vor sechs sowieso nicht. Da sind sie nämlich noch geschlossen. Manfred seufzt im Schlaf und dreht sich nochmal um. Zum Glück kann er nicht aus dem Bett fallen. Denn Manfred liegt natürlich auf seiner Spezialmatratze.

Als dann das Kissen vibriert und seine Weckmusik erklingt, ist Manfred sofort hellwach. Er denkt an den verwegenen Plan, der heute in die Tat umgesetzt werden soll. So nervös ist er, dass er auf der Toilette trotz Beschriftung den Kalt- mit dem Heißwasserhahn verwechselt. Vor lauter Schreck fällt ihm die Seife runter. Irgendwie hatte ihn da auch was gepiekt. Die Beschriftung mit den Stecknadeln ist wohl doch nicht so ideal. Jetzt sind anscheinend auch noch welche von den blöden Nadeln rausgerutscht. Manfred tastet vorsichtig und piekt sich dabei in den großen Zeh. Das Malheur muss wohl Sabine beseitigen. Etwas zerknirscht tappt Manfred über den langen Läufer durch den Flur. Dabei stolpert er halbwegs über Pfiffis Körbchen. Das steht vorübergehend ein bisschen im Weg, weil Sabine gestern die Weihnachtskartons aus dem Keller geholt und im Flur abgestellt hat. Manfred kickt das Körbchen ein wenig gegen die Kartons und es erklingt sanftes, vielstimmiges Läuten kleiner Glöckchen. Wegen der Inklusion hat Sabine im vergangenen Jahr jedes Lämpchen jeder Lichterkette mit einem Glöckchen versehen. Wegen der morgendlichen Störung schnaubt Pfiffi etwas verstört. Manfred hastet weiter und stößt sich den Kopf an der geschlossenen Schlafzimmertür. Der Automatismus hatte die Tür pflichtschuldigst hinter ihm zugemacht. Erleichtert fällt Manfred auf seine Matratze. „Das Abenteuer ist doch erst für den Abend geplant“, denkt er und dreht leise das Radio an. Radio Vatikan bringt Choräle aus der Adventszeit. Um halb sieben begrüßt ihn Sabine mit ihrer sanften Stimme.

Für ihr morgendliches halbes Stündchen hat Sabine ein besonderes Tablett mit Weihnachtsdeko besorgt. In Manfreds Tasse befindet sich jetzt ein Sensor. Sobald er sie anhebt, erklingt „Stille Nacht“. Sabine erzählt liebevoll, dass wieder alles in Ordnung ist. Eine frische Seife mit Beschriftung liegt bereit. Sie rätseln darüber, welche Tür der Papst in Rom wohl geöffnet hat. Irgendwie ist doch ein heiliges Jahr angebrochen. Vielleicht steht ja gleich etwas in der Zeitung. Gegen Gertrudes Wunsch holt Manfred die immer noch allein. Dabei übt er manchmal heimlich, ein paar Stufen ohne Anschnallen runterzugehen. Irgendwie klappt das auch. Aber mit ist besser und so hakt sich Manfred ein und schleicht leise die Treppe runter. Im Erdgeschoss greift Manfred zur Zeitung und hört lautes Staubsaugen aus der Wohnung seiner Eltern. Gertrude hat nämlich einen riesigen Adventskranz aufgehängt. Und der nadelt wie verrückt. Bald darauf sitzt unser Paar beim Frühstück. Sabine hat Manfreds BVB-Lätzchen mit roten und goldenen Schleifen verziert. In der Zeitung findet Sabine fast nichts, das sie für geeignet hält. Lauter Kriegsnachrichten. Und das in der Adventszeit. Zum Glück hat sie noch den wöchentlichen Pfarrbrief aufgehoben, aus dem sie Manfred leise vorlesen kann. „Für heute Abend ist doch alles klar?“, fragt Manfred vorsichtig. „Ich weiß nicht, Manni. Ich habe kein gutes Gefühl dabei“, antwortet Sabine schüchtern. „Du hast es versprochen!“, drängt Manfred. Da klingelt es an der Wohnungstür.

Es ist Gertrude, die ihren Sohn abholen will. Wie jedes Jahr möchte sie mit Manfred Plätzchen backen. Beim Hineinkommen zischt sie Sabine an, warum denn der Haltegurt wieder am Treppengeländer festgeschraubt ist. Sabine sei wohl immer noch zu faul, ihren Mann die Treppe hinunter zu begleiten. „Komm, mein Junge, Du freust Dich doch sicher schon“, meint Gertrude und greift sich ihren Sohn. Wie immer packt sie ihn fest am Oberarm und schiebt ihn vor sich her. Manfred fühlt sich dabei ziemlich unsicher. Aber Gertrude hat das schon immer so gemacht. Die Treppe runter ist das besonders wackelig, weil Gertrude sich derart festklammert, dass Manfred kaum den nächsten Schritt tun kann. Irgendwann kommen beide heil unten an. Karl-Heinz hat sich verzogen. Der guckt sich lieber seine Fußballalben aus den 60ern an.

Das gemeinsame Backen sieht so aus, dass Manfred auf einem Küchenstuhl sitzt, während Gertrude all die Zutaten für den Teig in die Schüssel gibt. „Ach wenn es doch eine sprechende Waage gäbe“, klagt Gertrude. „Aber Mama, die gibt es. Habe ich Dir doch schon letztes Jahr gesagt.“ „Mein Junge, das glaube ich nicht. Habe ich noch nie davon gehört.“ „Doch doch, bei einem Spezialversand.“ „Das hat Dir bestimmt Sabine erzählt, damit Du demnächst für sie backst.“ „Nein, eine Kollegin bei der Arbeit. Die hat sich vor kurzem so einen Thermomix gekauft.“ „Ach Schnickschnack, dieses neumodische Zeug taugt eh nichts. Wofür brauchst Du so etwas überhaupt. Du hast ja mich.“ Der Höhepunkt der Gemeinsamkeit besteht darin, dass Manfred rühren darf. Beim Ausstechen soll er lieber nicht helfen. Die Förmchen haben sehr scharfe Kanten. Gertrude sagt ihm aber bei jedem Plätzchen, welche Form es hat. Manfred darf dann auf dem Blech mal fühlen, wo Sonne, Stern und Mond sind. „Was man ohne Augen so alles kann“, staunt Gertrude jedes Jahr aufs Neue. Während die Plätzchen im Ofen sind, übt Gertrude die Braille-Schrift. „Wenn ich mal im Altersheim bin, kann ich Dir wenigstens Briefe schreiben“, hatte sie gesagt und vor zwei Jahren damit begonnen. Nun ist das für so eine alte Frau nicht sehr einfach. Manfred hatte sich für heute den Buchstaben Ö vorgenommen. Leider ist seine Mutter heute nicht in Form und so muss Manfred auf altes Wissen zurückgreifen. Die Zahlen von 1 bis 9 kann Gertrude aus dem ff.

Gertrude holt das Blech aus dem Ofen und stellt es auf den Untersetzer. „Noch nicht anfassen, die sind noch sehr heiß“, mahnt die Mutter ihren Sohn. Dann holt sie ihren Gatten aus seinen Fußballerinnerungen. Karl-Heinz begrüßt seinen Sohn herzlich. Einen etwas schrägen Blick wirft er dabei auf die Elchhausschuhpuschen, die Manfred zu Nikolaus bekommen hat. Das Geblinke irritiert ihn doch ein wenig. „Was guckst Du so?“, fährt in seine Frau an. „Der Junge soll im Hausflur gut gesehen werden. Deshalb habe ich die mit Lämpchen ausgesucht.“ Karl-Heinz brummt nur und greift sich einen Stern. Erschrocken lässt er ihn wieder fallen. „Die sind ja noch heiß!“, entfährt es ihm. „Natürlich sind die noch heiß. Das sieht man doch.“ „So, woran denn?“, fragt Karl-Heinz. „Woran woran? Das sieht man eben. Der Junge sieht es jedenfalls nicht.“ Das ist unbestreitbar und die Männer schweigen. Als Gertrude die Blockflöte holt, damit Manfred nochmal die Weihnachtslieder übt, ist es Zeit zum Mittagessen. Das hat diesmal Sabine für alle vorbereitet. Gertrude schiebt also ihren blinden Sohn mit den Leuchtelchhausschuhpuschen voran die Treppe hoch. Hinterher Karl-Heinz, der die klammernde Gertrude immer wieder stützen muss. Oben bückt er sich, weil Gertrude der Schlüssel aus der Tasche gefallen ist. Inzwischen schlüpfen die beiden durchs Sicherungstörchen. Dieses schwingt zurück und trifft Karl-Heinz voll an der Stirn. Etwas benommen begrüßt er seine Schwiegertochter.

Diesmal gibt es Erbsensuppe. Die schmeckt etwas absonderlich. Vermutlich, weil Sabine in diesen Wochen einen Zimttick hat. In einer Frauenzeitschrift hatte sie gelesen, dass der sehr gesund sein soll. Und so mischt sie jetzt in Speis und Trank das weihnachtliche Gewürz. Schon der Kaffee am Morgen schmeckte merkwürdig. „Heute Abend sind wir dann im Kino. Das wisst Ihr ja“, sagt Manfred zu seinen Eltern. Karl-Heinz nickt. Daraufhin fährt ihn Gertrude an: „Du sollst nicht immer nicken und nichts sagen. Der arme Junge sieht das doch nicht!“ „Pure Gewohnheit aus 50 Jahren Ehe“, meint der Gatte aufmüpfig. „Geh lieber und hole den Schraubendreher!“, faucht Gertrude. „Und dann mach endlich diesen Gurt ab. Das habe ich Dir schon hundertmal gesagt.“ „Nach dem Mittagsschlaf“, murmelt Karl-Heinz und schlurft aus der Küche. „Von diesem Kino halte ich ja gar nichts. Was soll denn der Junge da?“, zetert Gertrude. „Bitte Mutti, das ist doch ein Film über ein taubblindes Mädchen“, sagt Manfred. „und wir wollen auch mal was gemeinsam unternehmen“, wird Sabine fast revolutionär. „Na gut, das verstehe ich, mein Junge. Die ist ja noch ärmer dran als Du. Und Du passt gut auf den Jungen auf im Dunkeln“, weist sie Sabine in ihre Schranken. „Nehmt die Leuchtgürtel mit, die ich Euch besorgt habe. Auch beim Spaziergang in den Park! Das Wetter ist so diesig. Da sehen Euch die Leute sonst nicht. Die passen ja auch gar nichtmehr auf heutzutage“, schimpft Gertrude beim Hinausgehen. Dabei blickt sie nach hinten und stolpert über Pfiffis Körbchen. Erbost kläfft dieser sie an. „Und räum hier endlich mal auf! Wie soll denn der Junge hier zurechtkommen?“ Als das Sicherungstörchen hinter ihr zuschlägt, holen Sabine und Manfred tief Luft.

Der Nachmittag verläuft weniger spektakulär. Nach der Mittagsruhe gehen sie mit Pfiffi in den Park. Natürlich mit ihren blinkenden Leuchtgürteln. In Gertrudes Wohnung erspäht Sabine eine verdächtige Bewegung der Weihnachtsgardine. Die Leute gucken auch fast gar nicht wegen der blinkenden Gürtel. Bei dieser Glamour-Weinacht sind sie schon abgestumpft gegen all das Glitzern und Funkeln. Ein älterer Mann in Schräglage meint im Vorübergehen: „Ey, da wirsse ja blind von.“ Sabine stockt ob dieser Taktlosigkeit der Atem. Aber nur kurz, dann lässt sie Pfiffi und Manfred los und stampft den armen Mann moralisch in den Boden. Währenddessen erahnt Pfiffi die ungewohnte Freiheit und rennt ins Gebüsch. Die Leuchtleine hinter sich herziehend. Manfred überlegt kurz, ob er seine Frau stoppen kann. Dann doch lieber den Hund, denkt er und folgt Pfiffi. Leider nicht sehr weit, denn er landet mitten im Gebüsch. Sein Leuchtgürtel verheddert sich und erlischt. Manfred stolpert und landet im Matsch. „Jetzt sehen Sie, was Sie angerichtet haben!“, keift Sabine noch und eilt ihrem Mann zur Hilfe. „Was machst Du denn? Du sollst doch auf der Stelle stehenbleiben, wenn ich Dich mal loslasse!“ fährt sie ihn an. Pfiffi hat sich mit seiner Leuchtleine inzwischen um einen Baum gewickelt, so dass Sabine auch ihn schnell einsammeln kann. Nach Erledigung der nötigen Geschäfte geht das Trio mürrisch und zerknirscht nach Hause. Im Hausflur erwartet sie eine fast sprachlose Gertrude: „Wie seht Ihr denn aus?“, kriegt sie gerade noch über die Lippen, als die zerzauste und verdreckte Karawane an ihr vorüberzieht.

Im trauten Heim wird Pfiffi erstmal von allen schmückenden und kennzeichnenden Utensilien befreit. Das gibt ihm sichtlich Auftrieb und er zerrt spielerisch an Sabines Leuchtgürtel, so dass auch dieser das Zeitliche segnet. Beide Gürtel landen in einem der Weihnachtskartons als Beweisstücke für Gertrude. Nun ist aber zügiges Umkleiden angesagt. Für sechs Uhr ist Manfred mit seinen Kollegen im „Letzter Huster“ verabredet. Sabine rast den Flur zwischen ihrem und Manfreds Zimmer auf und ab. Sie kleidet abwechselnd sich und ihren Mann an. Pfiffi hält das für ein neues Spiel und zerrt jeweils an den Kleidungsstücken, die angezogen werden sollen. Nur einer findet dieses Spiel ganz großartig.

Kurz vor sechs schließen sie die Wohnungstür ganz leise hinter sich. Sabine flüstert: „Lass mal den blöden Gurt. Ich bin ja da.“ Ohne Gertrudes kritischen Blick kommen sie nicht aus dem Haus. Der Junge ist völlig falsch angezogen und wie sie überhaupt aussieht. Naja, das Übliche halt.

Gegen halb sieben sind sie dann im „Letzter Huster“ angekommen. Sabine verabschiedet sich mit der Mahnung, dass sie um halb zehn zum Abholen kommt. Volker meint, dass sie den Manfred schon nach Hause bringen. Das nimmt Sabine achselzuckend hin. Volker deutet dies als schweigende Zustimmung. Er sieht das Achselzucken nicht. Manfred mag Volker und Petra gern. Dass sie beide nichts sehen können und zusammen leben, hat er Sabine nie erzählt. Er kann sich das selber nicht vorstellen, wie das geht. Und dann seine Frau … Oder gar seine Mutter … Das erste, zweite, dritte Bier sind schnell geleert und die Stimmung lockert sich. Petra meint, sie habe nun echt Kohldampf. Sie möchte zum Griechen zwei Straßen weiter. Manfred hat selber Hunger. Aber mindestens so große Bedenken. Mit einem aufmunternden „Wir nehmen Dich schon mit“ schnappt sich Volker seinen Stock und Manfreds Arm. Auf dem Gehweg nehmen sie ihn in die Mitte und pendeln mit ihren Stöcken an beiden Seiten. Wird der Gehsteig schmaler, weicht Petra elegant nach hinten, während Volker die Spitze übernimmt. Manfred ist etwas schwindlig. Von den drei Bier auf nüchternen Magen und vom Tempo seiner beiden Freunde. Sabine schaut sich im Kino einen ziemlich langweiligen Film an. Ständig denkt sie an Manfred. Nach einer Stunde hält sie es nicht mehr aus. Leise verlässt sie das Kino und geht zur Kneipe. Durchs Fenster hat sie einen guten Blick auf Manfreds Tisch. Heißer Schreck fährt ihr in die Glieder. Da sitzen jetzt drei Frauen. Und kein Manfred! Furios entert Sabine die Kneipe und horcht nacheinander das gesamte Personal und die Hälfte der Gäste aus. Keiner weiß, wo Manfred ist. „Die drei haben gezahlt und sind gegangen“, sagt die nette Kellnerin. „Und Sie haben das nicht verhindert?“, schnappt Sabine nach Luft. „Nein, warum?“, sagt die Kellnerin und wendet sich ab. Sabine ist fassungs- und ratlos.

Im „Athener Grill“ ist die Stimmung inzwischen prächtig. Nach Gyros mit Pommes und diversen Ouzos steigt das Barometer. Gegen halb elf erreicht es seinen Höchststand. Vor lauter Begeisterung über die neue Freiheit zahlt Manfred die gesamte Zeche. Seinen Münz- und Schein-Scanner kann er in diesem Zustand nicht mehr bedienen. So gibt er Dimitrios einen großen Schein und vertraut auf dessen Ehrlichkeit beim Herausgeben. Draußen auf dem Gehsteig haken sie sich wieder unter. Jetzt schon viel inniger. „Gut, dass die Autospiegel heute umklappen“, meint Petra, als sie an einem schlecht geparkten BMW entlang kommt. „Diese Mülltonne kommt mal beiseite“, meint Volker und räumt sich den Weg frei. Im Vergleich zum Hinweg sind sie drei Schritte schneller unterwegs. Im „Letzter Huster“ erfahren sie, dass Sabine vor drei Stunden schon da war und ziemlich aufgelöst wieder abzog. „So spät ist es doch noch gar nicht?“, meint Manfred und bestellt eine Runde zum Abschied. Manfred sinniert vor sich hin: „Vor drei Stunden … dann müsste es ja schon halb eins sein.“ Seine sprechende Armbanduhr sagt aber was von 23.36 Uhr. Volker und Petra meinen, sie bringen Manfred nach Hause. Das sei ja nur ein paar Straßen weiter und dafür lohne sich kein Taxi. Die nette Kellnerin lächelt versonnen, als sie die drei so locker von dannen ziehen sieht. „So ein Tag, so wunderschön wie heute!“, stimmt Manfred an und singt es aus voller Seele. Das Trio wird mit allen Hindernissen spielend fertig. Mit etwas Pegel geht das auch deutlich leichter. Dann biegen sie um die letzte Ecke.

Dort steht Sabine, die mit dem Schwung des Trios nicht gerechnet hatte. So sagt sie nichts und kann folglich nicht wahrgenommen werden. Sie wird über den Haufen gerannt und findet sich plötzlich warm und wohlig im Alkoholdunst mehrerer Menschen wieder, die sich gerade so auf den Beinen halten können. Nach der Entflechtung des Knäuels fragt sie: “Soll ich für Sie ein Taxi rufen?“ Petra stimmt zu und Sabine greift zum Mobiltelefon. Inzwischen fummelt Manfred am Türschloss. Irgendwie hat er es plötzlich eilig. Mit viel Schwung stürmt er in den Hausflur. Ihm fällt ein, dass der Weg zu Mutters WC deutlich kürzer ist als nach oben. So wendet er sich Mutters Wohnungstür zu. Nicht ahnend, dass Gertrude offenen Mundes im Bademantel dasteht. Manfred ist zu dieser Mitternacht voll in Schwung. Ehe er die Klingel findet, trägt ihn dieser durch die Tür. Gertrude kann ihn nicht aufhalten und landet auf dem Hosenboden. Manfred hat keine Zeit für Höflichkeiten und stürmt ins Bad. Karl-Heinz fragt sich aus sicherer Entfernung, warum der Junge plötzlich so sicher seinen Weg findet. Das Taxi kommt. Petra und Volker warten jedoch auf Manfred, der sich noch verabschieden will. Alle drei wünschen sich fröhlich in den Armen liegend weiterhin einen so lustigen Advent. Manfred wendet sich wortlos der Tür zu und verschwindet zügig die Treppe hinauf. Gertrude und Sabine tauschen einen Blick, bei dem die Hölle zufrieren würde. Als Sabine oben ankommt, kuschelt Manfred mit Pfiffi. Hin und her gerissen zwischen Freude und Wut schließt Sabine die Wohnungstür.
Morgen hat sie zum ersten Mal ein Treffen der Selbsthilfegruppe für Opfer von Schwiegermüttern.

 

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