Fazit 2009

Der Blindenfußball ist ein Jahr älter geworden. Ähnlich wie der Mensch in den ersten Lebensjahren hat er große Fortschritte gemacht. Nicht zuletzt spiegelt sich dies im Erfolg der Nationalmannschaft wieder. Die zweite Europameisterschaft schlossen die deutschen Elitekicker mit zwei Siegen und zwei Niederlagen auf Rang fünf ab.

 

Der Ligafußball steht hier aber im Mittelpunkt. Auffallend ist, dass das Spiel sehr viel schneller geworden ist. Viele Spieler haben an Angst verloren und an Orientierung gewonnen. Der Ball wird sicherer verarbeitet. Dies gilt z.B. für das Stoppen von Zuspielen des Torhüters. Häufig ist anschließend noch die Einzelaktion, das Dribbling auf das gegnerische Tor anzutreffen. Bei manchen Teams sind auch Ansätze von Kombinationsfußball zu registrieren. Dieser Anteil wird wachsen. Denn die Abwehrreihen werden sich den Einzelkönnern zunehmend erfolgreich erwehren können. Standardsituationen haben hie und da zum Erfolg geführt. Hier ist noch viel Luft nach oben. Die übliche Ecke mit zwei Spielern, von denen einer losdribbelt, wirkt wenig erfolgversprechend. Es sind neue Ideen gefragt. Die Teams haben sicherere Sechs- und Achtmeterschützen ausgebildet. Dies war eine richtige Folgerung aus den häufigen Achtern der Vergangenheit.

 

Die Liga ist um ein Team größer geworden. Die Neulinge Gelsenkirchen (Rang 7) und Köln (Rang 2) waren kein Kanonenfutter, sondern haben die Liga bereichert. Leider handelt es sich um keine reinen Neugründungen. Beide Teams haben einen Teil Spieler in ihrem Kader, die zuvor in anderen Vereinen spielten. Essen konnte nicht mehr teilnehmen, weil es das Team nach Streit in Richtung Köln, Mainz und Gelsenkirchen verschlug. Einige wenige Aktive bemühen sich derzeit um den Wiederaufbau der Blindsoccers. Quantitativ konnte die Liga also nur marginal zulegen. Es fehlt nach wie vor der Unterbau. Dieser könnte in Fußball-Aktivitäten in den Schulen bestehen. DBS und BSNW haben angekündigt, sich nun dieser Nachwuchsarbeit verstärkt widmen zu wollen. Es ist höchste Zeit. Auch kann es Teams wie die Essener geben, bei denen es zwar für die Ligateilnahme nicht reicht. Die aber an Freundschaftsspielen oder –turnieren teilnehmen können. Der Ball muss rollen und rasseln in der Republik.

 

Nicht nur sportlich, vor allem organisatorisch hat die Liga erheblich an Qualität gewonnen. Die Trägerverbände nahmen ihre Aufgabe ernst. Dafür haben sie auch die Macht. Der ursprünglich urdemokratische Ansatz der Ligagründer (sihe Kapitel 18) ist vom Tisch. Er wurde auch nicht sonderlich vital gelebt. So bleibt der Ligaausschuss, der mit einer Stimme im Ligavorstand sitzt und dort die Interessen der Teams vertritt, wenn diese auf einen Nenner zu bringen sind.

Die Ligaträger haben die Ausstattung der DBFL enorm verbessert. Die Sepp Herberger-Stiftung bezahlte eine Agentur dafür, an den vier Spielorten das eigens angeschaffte Spielfeld mit Banden, Zelten und Technik aufzubauen. So erstrahlte der Spielort jedes Mal im DBFL-Outfit. Für die Aktiven bot das Feld optimale Bedingungen. Mit Stadionsprecher und Kommentierung erlebten die Blindenfußballer Einmaliges im Behindertensport. Der DBSV unterstützte die Teams nach wie vor finanziell bei Reisen und Unterbringung ihrer Aktiven. Zudem kümmerte er sich um blinde Fans, die zu den Spielen kommen sollten. Dass dies nicht die große Resonanz fand, lag nicht an den Berlinern.

Ob sich die Träger weiterhin so großzügig engagieren werden, ist offen. Mit der hinter uns liegenden Saison ist Deutschlands Vereinsfußball der Blinden mit Sicherheit auf Rang zwei in Europa geklettert. Das Umfeld war sehr ausgereift.

 

Die vier zentralen Spieltage boten den Vorteil der geschilderten erstklassigen Ausstattung. Jedoch entfernte sich der Blindenfußball von den Aktiven. An der Planung waren sie wenig beteiligt. In Barsinghausen war die DBFL fern jedes Teams. In Mainz, Stuttgart und Köln wurde es etwas besser. Doch wäre es wohl eine gute Idee, die lokalen Teams in die Vorbereitung mehr einzubinden. Die Menschen vor Ort wissen am besten, wie Zuschauer an die Banden zu holen sind.

Wenn der Fußball in den Regionen leben soll, müssen die Teams viel tun. Test- und Freundschaftsspiele sollten organisiert werden. Spieltage oder Pokalwettbewerbe sollen überall einmal stattfinden. Der Ball muss rollen!

 

Die Fußballfamilie hat sich beruhigt. Einzelne Spieler haben durch Vereinswechsel den Horizont erweitert. Scharfe Rivalitäten haben sich zu gesunder Konkurrenz abgekühlt. Es wird mehr miteinander geredet. Sicherlich ist dieser Trend ausbaufähig. Doch der Kompass weist in die richtige Richtung.

 

Das Schiedsrichterteam ist kleiner geworden. Von besonderer Schulung der Verbleibenden ist dem Verfasser nach wie vor nichts bekannt. Diese fand womöglich indirekt in der Regelkommission statt, die vor der Saison deutsche Spezialregeln entwarf. Dass sich die DBFL damit einen großen Gefallen tat, ist auf Anhieb nicht zu bejahen. Übermäßig negativ waren die Sonderregeln auf keinen Fall. Wichtig aber bleibt es, das Schiedsrichterwesen auf eine breitere Basis zu stellen.

 

Deutschlands Blindenfußball hat sich gut entwickelt. Es hat spannende und ansehnliche Spiele gegeben. Das Spiel ist letztlich der Kern, auf den es ankommt. An der Fortentwicklung des Spiels sollte allen gelegen sein. In welchem Gewand die Liga künftig auftritt, ist nicht gewiss. Da mag es in den nächsten Jahren noch Veränderungen geben. Dies liegt in der Natur dieses jungen Sports.

 

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