Neuer Kriegseinsatz

Deutschland lebt seit 1945 im Frieden. Lange Jahre stimmte dieser Satz. Trotz Wiederbewaffnung oder NATO-Doppelbeschluss. Ende der 90er-Jahre änderte sich dies. Knapp 55 Jahre kämpfte kein deutscher Soldat. Dann schickte eine rot-grüne Regierung die Bundeswehr auf den Balkan. Es folgte die uneingeschränkte Solidarität Schröders nach 9/11. So verteidigte die Bundeswehr Deutschland am Hindukusch. Als Bundespräsident Gauck dann mehr Verantwortung ankündigte, die Deutschland in der Welt übernehmen solle, fielen so langsam alle Schranken. Aus dem Kopf fallen mir einige laufende Kriegseinsätze der Bundeswehr ein.

Auf dem Balkan sind immer noch deutsche Soldaten stationiert. Mittlerweile seit gut 15 Jahren. Geschossen wird wohl nicht mehr. Etwas jünger ist der Einsatz in Afghanistan. Gerade stellt sich heraus, dass das Land ohne militärische Stabilisierung durch den Westen gar nicht auskommt. Gebracht hat der über zehn Jahre lange Einsatz nichts. Weil das so ist, wird das deutsche Kontingent in Afghanistan gerade wieder aufgestockt. Vor Somalia jagt die Bundesmarine Piraten. Eine Zeit lang wurden dort Handelsschiffe angegriffen. Wir hören wenig von dort. Vorm Libanon sollte die Marine Waffenschmuggel nach Syrien verhindern. Dass dieser Einsatz beendet ist, habe ich nicht mitbekommen. Vermutlich läuft er noch. Vor Libyen hat die zweite Stufe der Flüchtlingsbekämpfung begonnen. Erst wurden Flüchtlinge gerettet. Jetzt werden die Schleuser aktiv bekämpft. In Mali haben deutsche Truppen den Franzosen geholfen, die Terroristen oder Aufständischen – so genau weiß das niemand – zu bekämpfen. Dort sollen jetzt die Franzosen entlastet werden. Die Grande Nation wendet sich verstärkt Syrien zu und braucht im „befriedeten“ Mali weitere „Ausbilder“. All diese Einsätze tauchen dann manchmal in den Medien auf, wenn sie vom Bundestag verlängert werden. Das müssen sie und deshalb sprechen viele stolz von einer Parlamentsarmee. Die wird also quasi vom Volk in den Krieg geschickt. Oder auch nicht. Aber dieses „auch nicht“ habe ich noch nicht erlebt. Bislang wurde den von der Regierung vorgeschlagenen Einsätzen immer zugestimmt. So auch den Verlängerungen. Auf die schwarz-rot-grüne Koalition mit etwa 90 % der Stimmen ist Verlass!

Eines ist diesen Einsätzen gemeinsam. Allen fehlt der Plan, wozu sie führen sollen. Sind sie auf Ewigkeit angelegt oder sollen die Soldaten irgendwann abgezogen werden? Nehmen wir mal so etwas Überschaubares wie die Piratenjagd vor Somalia. „Atalanta“ heißt der Einsatz, glaube ich. Da wir nichts mehr von Überfällen seitens der Piraten hören, könnte die Handelsseefahrt dort ja wieder sicher sein. Prima! Leider nur so lange, wie westliche Kriegsschiffe die Handelsroute sichern. Also ein Einsatz für die Ewigkeit? Sieht so aus, denn von friedlichen Fortschritten in Somalia hören wir wenig. Und dieses Beispiel kann für alle Kriegsorte herhalten. Selbst wenn das Militär die Lage oberflächtlich betrachtet beruhigt, passiert weiter nichts. Mit anderen Worten, die Militäreinsätze dämpfen oberflächlich die Krisen. Was sich unter der Oberfläche abspielt, wissen wir nicht. Wir können uns aber vorstellen, dass sich niemand gern unterdrücken lässt. Dass sich dort noch mehr Aggression aufstaut. Dass clevere Warlords nur darauf warten, dass der Westen wieder abhaut. Siehe z.B. Afghanistan. Mit Gewalt kannst du Gewalt nicht bekämpfen. Eigentlich weiß das jeder. So gehen wir davon aus, dass es nicht um Gewaltbekämpfung geht. Sicherlich geht es häufig um Wirtschaftsinteressen. Manchmal auch nur ums Prestige. Und den Eindruck macht gerade die Grande Nation.

Sei dem 14. November scheint sich Herr Hollande regelrecht auf dem Kriegspfad zu befinden. Frankreich ist seitdem im Krieg. Konkret heißt das, Syrien wird noch stärker bombardiert als vorher. Wie einst George W. machte sich Francois auf, eine große Koalition zu schmieden. Zu den großen Staatschefs Barack und Wladimir machte er sich auf den Weg. Die etwas kleineren wie David und Angela wurden in Paris empfangen. Wie es Hollande erwartet hat, beteiligt sich Deutschland an der großen Koalition.

„Der IS kann nur militärisch besiegt werden“, sprach Frau Dr. Angela gestern im Bundestag. Konkret sieht das so aus, dass die Franzosen erst einmal Soldaten aus Mali abziehen können, die dann durch deutsche ersetzt werden. Dann schützt eine deutsche Fregatte den französischen Flugzeugträger, der ins Mittelmeer fährt. Das sieht aus wie Kriegsspiel, weil wer sollte den denn angreifen? Der IS hat keine Marine. Tank- und Aufklärungsflugzeuge der Luftwaffe fliegen künftig über Syrien. Deutschland guckt dann von oben beim Morden zu und macht sich die Finger nicht schmutzig. Wie edel. Aber natürlich Quatsch! Wer die Mordmaschinen auftankt und lenkt, ist genauso beteiligt wie der Pilot, der die Bomben abwirft. Der Bundestag wird nächste Woche den Einsatz absegnen. Keine Frage. Anton Hofreiter ist so verlogen, die grüne Zustimmung von einem Konzept abhängig zu machen, was denn erreicht werden soll in Syrien. Das Konzept gibt es natürlich nicht. Ein grünes Rückgrat aber auch nicht. Sie werden zustimmen. Die große Mehrheit der Abgeordneten können wir nur als Kriegsabnicker bezeichnen. Sogar Cameron hat es mit seinem Parlament in London schwerer.

Angy hat gesprochen und diesmal folgen ihr alle. Erst recht alle unionierten Christen. Es geht ja gegen die bösen Islamis. Ein Politologe meinte dazu, Deutschland würde durch diesen Einsatz seinen militärisch-politischen Einfluss vergrößern. Wer bombt, darf mitreden. Aha, und was beeinflussen wir jetzt? Das ist doch alles haarstreubend. Das Morden geht weiter und wird noch intensiviert. Immer mehr Waffen in und über Syrien. Welch eine bedauernswerte Bevölkerung. Vor allem, sei der Westen ihr „helfen“ will.

 

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