Bruchlandung einer Bezirksgruppe

„Das kannste nicht machen. Das geht nicht. Das sieht aus wie Königsmord!“, tönte der Unbewegliche aus Wickede ins Telefon und hob den Humpen. „Ich glaube auch – ähm – dass das nicht so gut ist. Vor allem nach außen,“ stammelte der Doppelhaushälfte-Mann. So war es denn höchstvorständlich entschieden. Anstatt die gut 160 Menschen umfassende Gruppe erstmal wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen und anstehende Fragen zu klären, sollte in fünf Wochen neu gewählt werden. Heute wissen wir, dass dies gar nicht so schlimm war. Denn der kleine dicke Mann mit Pudel zog bereits an den Strippen der „Macht“. Mit dem Rücktritt am 4. Oktober leitete er die letzte Phase eines Plans ein, um seinen ungeliebten Stellvertreter loszuwerden.

Okay, also ran an den Speck! Es gibt ja immer solche wie wir, die halten so eine Gruppe für wertvoll und ihren Zweck für lohnenswert. Die Frage nach den Überweisungen an die Kassiererin stand zuletzt im Raum. Entgegen der üblichen Praxis liefen diese intransparent. Es stellte sich heraus, das war gar nicht nötig. Natürlich erfolgten die Überweisungen etwas spät und zum Teil aufgrund fragwürdiger Nachweise. Aber im Grunde war alles in Ordnung. Die Fragen nach der Bezahlung hätte der Vorsitzende leicht beantworten können statt zurückzutreten. Überhaupt ist die Kasse bis auf die üblichen Buchungsverwirrungen in Ordnung. Diese Verwirrungen wird der Eisschrank aus dem Westen im Februar sicher wieder glätten.

Auf einmal fand die Geschäftsführerin der Landesgeschäftsstelle den Arbeitsvertrag für die Kassiererin ganz wichtig. Wir auch. Deshalb hatte sich unser Interesse im September vorstandsintern auch darauf gerichtet. Zu Antworten fühlte sich der kleine dicke Mann mit Pudel nicht in der Lage. Bis zum Rücktritt am 4. Oktober gab es nichts Konkretes. Trägheit und Taktik gingen eine ungute Ehe ein. Doch auf einmal lag ein Vertragsentwurf auf dem Tisch. Nicht gerade zu früh im 16. Monat des Arbeitsverhältnisses. Aber ein Interimsvorsitzender unterschreibt sowas nicht. Schon gar nicht auf Drängen der bis dato ebenfalls fast untätigen Geschäftsführerin. Das sollte ehrenvolle Aufgabe des neuen Vorstands werden.

Blieben noch die pünktlichen Einladungen für die Wahl am 14. November. Auch dies blieb Aufgabe des Interimsvorsitzenden. Die beiden lauthalsen Befürworter der schnellen Neuwahl – wir erinnern uns an den Unbeweglichen aus Wickede und den Doppelhaushälften-Mann – taten in dieser Zeit genau nichts. Jedenfalls nichts für die Bezirksgruppe. Der unbewegliche Rote aus Wickede meldete sich allenfalls mit unbeherrschten Zwischenrufen zu Wort: „Alleinherrscher und Diktator!“, titulierte er den Interimsvorsitzenden. Weil der die Arbeit machte und seine sogenannten Kollegen nicht über jeden Bleistiftstrich informierte. Zur Klärung der Kassiererinnen-Bezahlung schlug der Unbewegliche eine „Nacht- und Nebel-Aktion“ vor. Das kannte er wohl noch aus seiner Amtszeit als Vorsitzender der Gruppe bis zum Jahr 2007. Dafür fand er vielleicht stille Befürworter, doch niemand, der diese Aktion für ihn durchführte. Denn selber arbeiten fällt im Dortmunder Osten schwer – auch bei der Doppelhaushälfte. Die giftenden Sieben waren ja auch bereits mit Machtspielchen beschäftigt.

In diesen Wochen dachte sich der Interimsvorsitzende, dass ein neuer Vorstand der Gruppe guttun würde. Mit den beiden Helden aus dem Osten wollte er ohnehin nicht mehr zusammen … arbeiten kann man nicht sagen. So bildete sich bis Ende Oktober ein Sextett, das gern die Gruppe geführt hätte. Es bestand aus drei Erfahrenen und drei Neuen. Drei Männer und drei Frauen waren dabei. Auch ein Novum in der Gruppe.

Nebenbei gab es noch eine kleine Telefon-Trilogie. Zuerst mit dem Eisschrank aus dem Westen. Die kennt sich mit Kasse gut aus und hatte das Vergnügen zuletzt im Februar. Am Telefon fand sie die fehlenden Überweisungen an die Kassiererin auch noch nachfragenswert. Kurz darauf schwenkte sie um 180 Grad und hielt ein Nachprüfen nicht für erforderlich. Dann rief die besorgte Doppelhaushälfte-Frau an und hatte viele Fragen. Wie ihr Mann machte sie sich um die Außenwirkung Sorgen. Überhaupt wollte sie wohl einfach nur Ablehnung signalisieren. Nach etwa 17 Fragen war es wirklich genug. Zuletzt gab es da eine Schweigerin im Norden. Eigentlich ein netter Mensch. Doch die hatte Einwände gegen ein anderes Mitglied des Sextetts. Klar gesagt hat keine was. Da mussten wir schon die Zwischentöne hören. Oder auf eine Explosion wartn, wie sie kürzlich zu erleben war. Die einzige, die was tat, war eine ganz andere. Die Gelegenheitsarbeiterin mit Hund schaltete die Vereinsseite an und ab.

Es folgte der nächste Paukenschlag. Nun kündigte auch die Kassiererin ihren noch nicht bestehenden Arbeitsvertrag. Ab Januar möchte sie sich anderen Aufgaben widmen. Wir verstehen das gut. Damit nahm sie das Ergebnis der Versammlung quasi vorweg. Doch wir verraten noch nichts.

„Ich werde einiges klarstellen“, sprach der kleine dicke Mann mit Pudel. Nach seinen verbalen Ausrastern im Juli und Anfang November war klar, was da kommen würde. Eine Schlammschlacht auf der Mitglieder-Versammlung. Die giftigen Fäden waren bereits gesponnen. Der Rachedurst brannte noch immer in der Kehle. Bis heute ist er nicht gelöscht. Denn es war niemand da, der während der Versammlung beschimpft werden konnte. Dafür kam dieser Blog zu ungeahnten Ehren. Eine Geschichte von uns wurde zum inhaltlichen Mittelpunkt einer Mitglieder-Versammlung. Wer hätte das gedacht? Unsere Zugriffszahlen schossen in die Höhe. Heiße Geschichten aus dem Leben ziehen mehr als politische Analysen. Das hat schon Axel Springer beherzigt.

Die Gruppe sollte einen neuen Vorstand bekommen. Alles schien eindeutig. Drei oder vier aus der alten Garde würden es schon machen. Weit gefehlt, denn die Gesetze der Mathematik sind unerbittlich. Sieben mal null bleibt null. Daran kommen wir auch mit Beistand des Landesvereins nicht vorüber. So haben sie es tatsächlich geschafft, den Interimsvorsitzenden samt Mitstreitern zu vergraulen und selber genau nichts Konstruktives auf die Beine zu stellen. Eine wahre Glanzleistung. Die Satzung beruft nun die junge dynamische Landesvorsitzende zur kommissarischen Gruppenvorsitzenden. Der Doppelhaushälfte-Mann und der Unbewegliche behalten ihre Pöstchen als Beisitzer. Diese haben sie immer schon ausgesprochen passiv interpretiert. Bis März dauert diese Übergangsphase. Dann ist wieder Versammlung. Ein neuer Vorstand soll gewählt werden. Kommt die giftige Garde so doch noch zu Amt und Würden? Führt sie dann die Gruppe in eine gute Zukunft? Erst einmal schauen wir auf die Trümmer einer grandiosen Bruchlandung.

Ein wenig orakeln können wir uns nicht verkneifen. Im März kommt dann der Pudelmann großherzig zurück. Wieder einmal als Retter der Gruppe wird er auftreten. Es macht ja kein anderer. Sein Vize plagt ihn nicht mehr. Trotz anderer Ehrenämter opfert er seine Zeit. Ein Opfer auf Lebenszeit könnte dies werden. Doch wer macht die Arbeit? Wer spielt das fleißige Lieschen, das solch einem Heroen den Rücken freihält von Mitgliederverwaltung oder Kasse?  Weder der kleine dicke Mann noch der Pudel beschäftigen sich gern mit solchem Kleinkram.

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