Doppelt hält besser

Seiner Natur folgend denkt der Fußballer in erster Linie an den Angriff. Doch wollen wir im folgenden einmal unsere Gedanken auf das Absichern des Erfolgs richten.

 

Viele Aspekte eines erfolgreichen Defensivspiels haben wir im Verlauf der angestellten Überlegungen bereits berührt. An dieser Stelle möchten wir diese Gedanken um eine wichtige Spielart erweitern.

 

Gutes und strategisches Defensivspiel beginnt mit der Aufstellung des Teams auf dem Feld. In Kapitel 17 haben wir eine sehr aktive Variante beschrieben. Das Quartett stellt sich so auf, dass der Abwurf des gegnerischen Keepers erst gar keinen eigenen Stürmer erreicht. Zumindest aber sollten die Verteidiger niemals einen Angreifer auf weiter Flur allein lassen. Vor allem der Torwart hilft mit entsprechenden Hinweisen.

Das Zweikampfverhalten ist der nächste Schlüssel zur Abwehr gegnerischer Angriffe. Die Regeln setzen dem Angriff auf den Körper reichlich Grenzen. Natürlich ist Fußball kein körperloses Spiel. Dosiertes Annähern ist gestattet und sinnvoll. Der Vorstoß in Richtung Ball aber ist immer der pfiffigere Weg. Dies erfordert häufig Geduld, denn viele Stürmer sind geübt darin, das Objekt der Begierde mit dem eigenen Körper abzuschirmen. Doch es kommt der Moment, da der Ball Richtung Tor bewegt und ein wenig freigegeben werden muss. Ein aufmerksamer Verteidiger kann in diesem Moment blitzschnell zupacken und die Kugel erobern.

Doch diese Dinge sollen lediglich am Rande berührt werden.

 

Wir wollen unser Augenmerk vielmehr auf diejenigen Verteidiger richten, die nicht direkt mit der Balleroberung beschäftigt sind. Das Prinzip ist aus dem sehenden Fußball bestens bekannt. Der Stürmer soll gedoppelt werden. Dies bedeutet, in drei bis fünf Metern Entfernung zum laufenden Zweikampf erwartet ein zweiter Verteidiger den Ball. Der Ort des Geschehens ist relativ leicht zu orten. Der Ballführende rasselt mit dem Ball. Der erste Verteidiger ruft voy. Der zweite Verteidiger nimmt nun eine Position ein, die der Angreifer nach gewonnenem Zweikampf voraussichtlich erreichen wird. Diese Stelle kann ein blinder Spieler durchaus selbständig bestimmen und finden. Hierzu ist ein höheres Maß an Orientierungsvermögen und Spielverständnis notwendig. Gleichzeitig muss der zweite Verteidiger darauf achten, dass er die Deckung eines etwaigen zweiten Angreifers nicht vernachlässigt. Solange das Passspiel im deutschen Blindenfußball noch nicht hundertprozentig funktioniert, hat er hier ein wenig Spielraum. Häufig vergehen einige Sekunden, ehe der Adressat eines Zuspiels die Kugel unter Kontrolle hat. Doch diese Zeit wird kürzer werden. Deshalb wird es künftig notwendig sein, dass ein dritter Verteidiger mit ins Geschehen eingreift. Denn gleichzeitig Doppeln und Decken ist bei breiter Spielanlage des Gegners nicht mehr möglich.

 

Ähnlich wie der aktive Adressat eines Passes muss der doppelnde Verteidiger wach und geistig auf Ballhöhe sein. Zwar nimmt er gerade nicht aktiv am Spiel teil. Jedoch kann dies so schnell nötig werden, dass es zum Aufwachen zu spät ist. Mitdenken und Mithandeln ist wichtig. Denn der Stürmer wird am zweiten Verteidiger, der kurz hinter dem ersten angreift, meist scheitern. Der ausgespielte erste Verteidiger doppelt seinen aktiv gewordenen Mannschaftskameraden sofort. Wie eine Perle an der Schnur reiht er sich dort wieder ein, wohin der Weg des Gegners vermutlich führen wird. Rückt ein dritter Angreifer mit vor, ist auch der vierte Verteidiger gefragt. Er gibt seine offensive Position auf und schaltet sich mit in die Verteidigung ein. Entscheidend ist, immer eine Überzahl gegen den Ballführenden Angreifer zu stellen.

Nun mag ein Cleverle einwenden, ein vierter Angreifer könne sich anbieten und würde das Zahlenverhältnis ausgleichen. Hier kommt der Abwehr das kleine Spielfeld zur Hilfe. Es wird eng mit acht Feldspielern vor einem Tor. Nur selten kommt da noch ein brauchbarer Torschuss zustande.

 

Deutlich wird, dass die gesamte Mannschaft jederzeit zumindest geistig an der Verteidigung teilnimmt. Situativ soll jeder Spieler bereit sein, eine Aufgabe im Abwehrverbund zu übernehmen. Dauerhafte Konzentration ist gefragt. Diese kann nur ein fitter Spieler aufbringen. Kondition ist also erforderlich, nicht nur um die weiteren Wege bewältigen zu können.

 

Aufmerksamkeit ist aber auch wichtig, um einen häufig beobachteten Fehler der Anfangszeit zu vermeiden. Zwei Spieler desselben Teams auf einem Fleck nutzen wenig. Eher führt dies zur Verwirrung und zu Ballverlust. Doppeln und Überzahlbildung spielt sich im Raum ab, nicht auf einem Fleck. Ein Abdecken sowohl der Gegner als auch der möglichen Laufwege des Ballführenden in geeignetem Abstand zu den Mitspielern ist das Ziel dieser Abwehrstrategie. Sie erfordert Wachsamkeit, Orientierung, Spielverständnis und Abstimmung.

 

Niemand wird sagen, wir hätten es hier noch mit dem kleinen Einmaleins des Blindenfußballs zu tun. Doch wir wollen unseren Sport entwickeln, ansehnlicher und erfolgreicher machen. Fast müßig ist es zu erwähnen, dass auch dies wieder nur einer von mehreren Wegen zum Erfolg ist. Ohne die Spieler, die es beherrschen, ist das schönste System immer falsch.

 

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