Der Torhüter

Erste und ehrenvolle Aufgabe des Torhüters ist es auch im Blindenfußball, Gegentreffer zu verhindern. Doch ihm kommen vielfältige weitere Aufgaben zu.

 

Im Blindenfußball hat der Torwart einen sehr kleinen Bewegungsradius. Um sein kleines Gehäuse herum erstreckt sich der Zweimeter- oder Torwartraum. Nur in ihm darf er sich bewegen. Überschreitet er die Linien, wird dies mit einem Strafstoß aus sechs Metern streng geahndet. Dies verlangt vom Keeper ein gewisses Maß an Disziplin. Sagt ihm sein Instinkt, er muss eine Gefahr in Tornähe beseitigen, ist er durch die Grenzen des Torwartraums beschränkt. Ein Herauslaufen in Richtung eines durchgebrochenen Stürmers bspw. ist nur bis zur Torraumlinie gestattet. Schließt der Angreifer dann aus fünf Metern Torentfernung ab, kann der Keeper den Winkel kaum verkürzen.

Andererseits hat er natürlich den unschätzbaren Vorteil des Sehens. Dies lässt ihn Situationen sehr viel genauer und vorausschauender erkennen. Wäre auch der Torhüter blind, hätte er gegen die Schüsse auf sein Gehäuse keine Chance.

So bieten der Vorteil des Sehens und die Beschränkung der Bewegung eine ausgeklügelte Balance.

 

Seine Stimme ist das eine Instrument, mit der der Torwart wesentlich weiter ins Feld hinein wirken kann. Er gehört zum Trio der sehenden Rufer und hat hierfür sein eigenes, das Verteidigungsdrittel. Zusammen mit dem Rufer hinter des Gegners Tor und demjenigen an der Seitenbande gibt er seinem Team wertvolle Hinweise. Hierin unterscheidet er sich nicht grundlegend von seinem Pendant im sehenden Fußball. Auch dieser ist gehalten, seine Abwehr zu dirigieren.

Im Blindenfußball kann er die verzögerte akustische Wahrnehmung aber durch gezielte Hinweise beschleunigen. Bei Abwurf vom gegnerischen Tor gibt er die Richtung des Balles durch Rufe wie links, rechts oder Mitte an, noch ehe dieser auf dem Boden aufsetzt und dort ein Geräusch verursacht. Seine Spieler können sofort reagieren und sind dadurch möglicherweise um den entscheidenden Sekundenbruchteil eher am Leder als der Gegner. Diese Aufgabe kann natürlich auch vom Mittelrufer wahrgenommen werden.

 

Der Torhüter erkennt Änderungen in der taktischen Aufstellung des gegnerischen Teams eher als der blinde Verteidiger. So ist es sinnvoll, wenn er diese Informationen gezielt an seine Abwehr weitergibt. Andernfalls kann es leicht geschehen, dass sich ein Stürmer derart leise freiläuft, dass der Verteidiger es nicht registriert. Immer wieder soll der Keeper seine Vorderleute möglichst günstig postieren. Ein sparsamer Umgang mit Worten ist auch hier angezeigt.

 

Wie ein Torhüter im sehenden Fußball stellt er sein Team bei Standards des Gegners. Sowohl die Mauer beim Freistoß als auch der Abwehrriegel beim Eckstoß sollen vom Keeper formiert werden. Auf diese Weise geht dies am schnellsten und es kommt nicht zu gegensätzlichen Hinweisen. Dem Mittelrufer ist es ohnehin nicht gestattet, in die Verteidigungszone hinein zu agieren.

 

Genau wie seine Ruferkollegen vermittelt der Torhüter mit seiner Stimme nicht nur nüchterne Information. Auch die Emotion spielt in der Verteidigung eine große Rolle. Hektisch agierende Akteure können beruhigt, passive Verteidiger angestachelt werden. Positive Rückmeldungen auf gelungene Aktionen tun jedem Spieler gut. Insofern spielt der Keeper eine sehr lebendige Rolle.

 

Der Abwurf ist das zweite weitreichende Instrument des Torwarts. Mit ihm greift der Keeper ins Angriffsspiel ein. Ähnlich wie der Eröffnungszug beim Schach gibt er mit seinem Abwurf der Offensive eine entsprechende Richtung. Variation ist auch beim Abwurf eines der obersten Gebote. Das minimiert für den Gegner die Chance, sich auf die Spieleröffnung einzustellen.

 

Der kurze Abwurf, der übrigens nicht im eigenen Sechser aufkommen darf, zu einem Verteidiger eröffnet einen ruhigen Spielzug. In der Regel hat der Verteidiger etwas Zeit. Die Kugel anzunehmen und zu verarbeiten. Dieser Wurf sollte möglichst gezielt und dosiert gespielt werden, damit es nicht zu Schwierigkeiten in der eigenen Verteidigung kommt.

 

Offensiver ist da schon der Wurf zu einem Stürmer an der Mittellinie oder in des Gegners Hälfte. Die Regel sagt, dass der Abwurf vor der Mittellinie aufsetzen muss. Diesen erreicht der Stürmer umso eher, je gezielter und dosierter er erfolgt. In den Anfängen des Blindenfußballs haben die Keeper häufig die Bande zur Hilfe genommen. Dies erzeugt zusätzliches Geräusch und verlangsamt den Ball. Es ist für den Stürmer dann leichter, diesen in Empfang zu nehmen. Auch heutzutage sollte die Bande als Hilfsmittel für verhaltenere Abwürfe nicht außer Acht gelassen werden.

 

Richtig Schwung in den Angriff kann der Keeper mit schnellen, relativ flach geworfenen Bällen bringen. Diese berühren die Bande gar nicht oder erst kurz vor der Torauslinie. Dem Stürmer gibt dies Gelegenheit, den Ball erst gar nicht zu stoppen, sondern seine Fahrt mitzunehmen und sehr schnell vor des Gegners Tor zu gelangen.

 

Diese drei Möglichkeiten zeigen exemplarisch, wie der Torwart mit der Spieleröffnung Einfluss auf das Spiel seines Teams nehmen kann. So wird deutlich, dass neben einem Sondertraining für die Abwehr von Bällen auch ein solches mit dem Team vonnöten ist. Je besser die Abstimmung zwischen Keeper und Feldspielern, je vorausschauender und eindeutiger seine Hinweise, umso mehr kann er zum Erfolg seines Teams beitragen.

Regelmäßiges Üben der Abwürfe wird bald zu einer qualitativen Steigerung der Angriffsbemühungen führen.

 

Gedanken zum Abwehren von Bällen werden an dieser Stelle nicht geäußert. Dies soll anderen überlassen bleiben, die dies entweder selber erlebt oder besser beobachtet haben.

 

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