Krieg in Europa

Die in den 90er-Jahren populäre Popgruppe „Pur“ textete zum Krieg folgendes:

Kein Krieg ist heilig – kein Krieg ist gerecht.
Im Teufelskreis der Waffen wird gestorben und gerächt.
Kein Krieg ist edel – kein Krieg lebt vom Mut.
Er ist unvorstellbar grausam.
Und auch für die sogenannten Sieger nur zum Verlieren gut.

Weil diese Zeilen schon so viel über den Krieg sagen, habe ich sie zitiert. Besser kann ich es auf keinen Fall ausdrücken. Dem Krieg können wir nichts Gutes abgewinnen.

Früher wurde der Krieg am Boden ausgefochten. Die Kriegsherren statteten ihre Soldaten mit spezieller Kleidung aus, damit sie sich gegenseitig erkennen konnten. Natürlich konten sie so auch den Feind erkennen. Hier wird schon klar, wie absurd Krieg ist. Hätten die alle dasselbe an, könnten sie sich nicht erkennen. Denn alle sind Menschen. Der Grund, jemanden umzubringen, ist nicht mehr erkennbar. Deshalb wurden die Uniformen erfunden. Jetzt kämpfte Blau gegen Grün oder gegen Rot. Die Zivilbevölkerung hatte zumindest theoretisch die Chance, sich aus dem Kampfgeschehen zu entfernen. So blieben die Menschen am Leben, verloren aber häufig Hab und Gut im Kampfgebiet.

Das änderte sich dann mit Einführen der Luftwaffe. Im zweiten Weltkrieg wurde Luftkrieg auch zum Zermürben der Zivilbevölkerung geführt. Die Nazis erfanden dafür den Sturzkampfbomber. Die Stukas machten zum Motoren- auch einen Sirenenlärm, der den Menschen durch Mark und Bein ging. 1940 sollte beispielsweise die englische Industriestadt Coventry dem Erdboden gleichgemacht werden. Im Februar 1945 flog die Royal Air Force mehrere Angriffe auf Dresden, obgleich Deutschland den Krieg längst verloren hatte und sich dort viele Flüchtlinge sammelten.

Inzwischen ist der Krieg anonymisiert. Die einen tragen gar keine Uniformen mehr und sehen aus wie Zivilisten. Die anderen sitzen entweder unerreichbar im Kampfjet oder hinterm Steuerknüppel der Drohne. Erkennbar sind beide Seiten nicht. Die Zivilbevölkerung hat weder gegen Menschen mit Sprengstoffgürtel noch gegen Bomben aus der Luft irgendeine Chance.

Ich richte den Fokus so sehr auf diesen Sachverhalt, weil beim Anschlag z.B. in Paris oft von „feige“ gesprochen wird. Im Hinblick auf Mut und Feigheit, die nur für die Militärs, Massenmedien und postdemokratischen Politiker eine Rolle spielen, sind die Selbstmörder doch eher mutig und die Piloten in den Kampfjets feige. Denn die Piloten sind sicher und ihre Bomben treffen genauso viele Zivilisten wie die der Selbstmörder.

Und da kommen wir zum Punkt, der mich wahrlich in Rage bringt. Wer kommt auf die blöde Idee, dass Bomben auf Franzosen schlimmer sind als welche auf Syrer? Wer kommt auf die ebenso blöde Idee, dass Bomben überhaupt etwas helfen? Warum sind die Anschläge in Paris verachtenswert und was weiß ich nicht alles und die Bomben auf Araber nicht? Dieses Pathos verursacht mir Übelkeit. Unsere Sprache wird wieder militärisch. Kürzlich hörte ich Ausschnitte vom Zapfenstreich zum 60jährigen Bestehen der Bundeswehr. Es klang wie Theater. Von wegen „die Augen nach rechts!“ und „Gewehr über!“. Am Samstag nach den Anschlägen war die erste Meldung in den Nachrichten des Radios dauerhaft das Bombardieren Syriens durch die Franzosen. Das wurde keineswegs mit trauriger Stimme vorgetragen. So stelle ich mir die Wochenschau in den Nazi-Kinos vor. Militär-Meldungen vor allem anderen. Und vorzugsweise Erfolgsmeldungen.

Ich nehme Herrn Hollande beim Wort. Frankreich und Europa sind im Krieg. Die EU hat sich gestern solidarisch erklärt. Gemäß dem Lissaboner Vertrag. Ungewollt sagt Her Hollande mit diesem Satz, dass nun auch Bomben auf europäischem Boden erlaubt sind. Denn so pervers sind die Regeln des Krieges. Die Menschen dürfen aufeinander schießen und sich bebomben. Eigentlich sehen die perversen Regeln des Krieges vor, dass nur Soldaten aufeinander schießen. Also die Uniformierten. Das gilt schon lange nicht mehr und diese uniformierten Armeen gibt es nicht mehr. Auch Deutschland ist im Krieg gegen den IS und wir müssen mit Gegenschlägen rechnen. Kriegsziele gab es früher auch einmal. Sind abgeschafft, denn das Ausrotten des IS wird nicht klappen. Also selbst durch die Brille eines Militärs ist dieser Hollande-Krieg sinnlos. Übrigens haben die Franzosen schon vor den Anschlägen fröhlich auf Syrien herumgebombt. Das war noch kein Krieg? Ja was denn dann?

Noch eine kleine Randnotiz. Kennt jemand eine arabische Waffenschmiede oder Munitionsfabrik? Ich nicht. Es mag sowas in kleinem Maßstab geben. Doch all die Waffen, mit denen alle kämpfen, stammen von den Hauptlieferanten USA, Russland, China und Deutschland. Auch das erwähnt längst niemand mehr.

Ich komme auf Pur zurück. Es gibt keine Sieger in einem Krieg. Auch in diesem nicht. Einzig hilfreich wäre, wenn Europa der Welt den Frieden erklärt. Alle Soldaten kommen nach Hause und werden was anderes. Denn die Türken stehen nicht vor Wien, sondern Flüchtlinge. Ab sofort wird kein Kriegsgerät mehr produziert, geschweige denn ausgeliefert. Die Firmen werden auf die Produktion von Eisen- und Straßenbahnwagen umgestellt. Es ist höchste Zeit, dass wir es endlich mit Frieden statt Krieg probieren.

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