Der Handgeben-Skandal

Da gibt es eine Dortmunder Bilderbuch-Familie. Der Mann arbeitet Vollzeit und hat eine feste Stelle. Die Frau arbeitet ein bisschen mit in ihrem Lieblingsberuf. Sie haben zwei gesunde Kinder. Einen Jungen und ein Mädchen. Beide sind so am Beginn bzw. in der Mitte der Pubertät. Sie wohnen im eigenen Häuschen in einem guten Stadtteil. Wir sehen, das könnte die schöne Idylle sein und diese Menschen hätten Zeit, sich miteinander und mit ihren Interessen zu beschäftigen. Weit gefehlt.

An dieser Vorzeige-Familie hängen ja weitere Verwandte. Der Mann hat eine Schwester. Die versteht sich nicht mit der Frau des Mannes. Zum ersten Mal seit eineinhalb Jahrzehnten Ehe hat die Frau keinen Bock mehr auf diese Schwester. Sie möchte ihr tunlichst nicht mehr begegnen. Das ist schwierig. Denn diese Schwester ist Rentnerin und hat viel Zeit. Glücklicherweise leben in dieser Familie noch viele Menschen. Zum Beispiel sind die Eltern des Mannes aus der Vorzeige-Familie noch da. Die Mutter ist nicht mehr ganz gesund. Und so wird sie zum Spielball der Familie. Denn sie soll nichts mitkriegen vom Konflikt zwischen Vorzeige-Frau und Schwester des Vorzeige-Mannes.

Diese Familie lebt von Fest zu Fest. Mal hat einer Geburtstag, dann weiht einer sein neues Haus ein oder es gibt irgendeinen Hochzeitstag zu begehen. Schätzungsweise monatlich gibt es solch ein Familienfest.

Es trug sich beim Geburtstag des Vaters vom Vorzeige-Mann zu. Ursprünglich wollte den die Schwester ausrichten. Weil die aber nun in Streit mit der Frau ist, war das zu heikel. Die Tochter der Schwester übernahm das Ausrichten. Obgleich sie schwanger war. So ging die Vorzeige-Ehefrau mit ihrem Mann zum Geburtstag. Sie wahrte den Schein. Doch das klappte nicht ganz. Die Vorzeige-Frau hatte keine Lust, dem Mann der Schwester die Hand zur Begrüßung zu reichen. Das war ihr kleiner Protest. Doch das wurde beobachtet.

Ab dem Tage danach glühten die Drähte. Alle sollten vom Fauxpas der Vorzeige-Frau erfahren. Wie konnte sie sowas machen? Obwohl doch die Mutter des Vorzeige-Mannes daneben stand! Offen ist bislang, ob sie das mitgekriegt hat. Denn die Sprachregelung sagt ja, dass diese Vorzeige-Mann-Mutter geschont werden soll. Alle sind empört. Denn es kommt das nächste Fest. Ein Onkel des Vorzeige-Mannes wird neunzig. Wird die Vorzeige-Frau der Vorzeige-Mann-Schwester diesmal die Hand geben? Das muss vorher geklärt werden. Sonst wird gar nicht erst hingegangen. Die Vorzeige-Familie fordert Vorzeige-Verhalten. Sonst rappelt es aber mal im Karton.

Liebe Leser dieser Zeilen, es handelt sich nicht um einen Scherz, sondern um eine wahre Begebenheit. Was sagen wir zu einer Familie, die sonst keine anderen Sorgen hat? Niemand ist ernsthaft krank, kurz vorm Ruin oder dem Alkohol verfallen. Die Kinder sind „wohlgeraten“. Alle Eltern sind noch da und schon im neunten Lebensjahrzehnt. Diese Familie könnte glücklich leben. Tut sie aber nicht. Ist das Langeweile? Gewiss stecken hinter der Weigerung, sich vorzeigbar zu verhalten, tiefere Gründe. Die gehören hier nicht her. Um die Affäre ernsthaft zu lösen, müssten diese Gründe mal geklärt werden. Ist dazu niemand bereit, dann schaut doch einfach mal von außen auf diesen Skandal. Allein dabei fällt jedem was auf.

 

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