Berichterstattung 2009

Während der zweiten Saison der Blindenfußball-Bundesliga hat die Berichterstattung einen Quantensprung gemacht. Einzigartig im Behindertensport wurde direkt für das Internet und Funkkopfhörer am Spielfeld kommentiert. Geldgeber für diesen Service sind der DBSV in Berlin und der DBS in Duisburg. Vieles läuft aber auch über Eigeninitiative des Sprecherteams um Kristian Mann, Jan Engeland und Marius Caspary (alle Braunschweig) sowie Wolf Schmidt aus Hamburg. Blindenfussball.net bot zusätzlich die Möglichkeit, alle Kommentare der Spiele im Nachgang von der Seite herunterzuladen. Einige Partien sind auch in Bild und Ton in voller Länge und als Zusammenschnitt auf dieser Seite zu finden.

 

Mit diesem Angebot stieß der Blindenfußball in eine Dimension der Öffentlichkeit vor, die im Behindertensport ihresgleichen sucht. Die Möglichkeiten des Mediums Internet werden konsequent genutzt. Gelingt es, dieses Engagement aufrechtzuerhalten oder seitens der Geldgeber noch finanziell stärker zu unterfüttern, hat dieser Sport die Möglichkeit auf ungeahnte Popularität.

 

Jedoch stellt sich im Lichte der Öffentlichkeit automatisch die Frage nach der Qualität der Kommentare.

Technisch war vieles noch sehr unzureichend. Vor allem die Übertragung ins Netz klappte häufig nicht. So blieben die Fans daheim erstmal ohne Ton und Information. Dies führte wahrscheinlich zu großem Frust. Das Angebot, direkt und zeitgleich dabei zu sein, sollte dann auch hundertprozentig funktionieren. Hieran wird künftig sicher intensiv gearbeitet werden müssen.

Das Sprecherteam ist sehr klein. Strebt man seitens der Ligaträger eine kontinuierliche und sichere Berichterstattung via Internet an, muss hier auf drei bis vier Personen aufgestockt werden. Krankheit oder anderweitige Verpflichtungen der Sprecher können sonst zu Ausfällen führen, die der weiteren Verbreitung extrem entgegenstehen. Zur Aufstellung eines Sprecherteams gehört natürlich eine solide Finanzierung. Modalitäten und Abläufe der Bezahlung müssen klar und zügig sein.

 

Mit der Qualität der Reportagen haben wir uns während der Saison auf Blindenfussball.com lebhaft beschäftigt. Den eingesetzten Sprechern war zu Beginn der Meisterschaft in Barsinghausen anzumerken, wie unvorbereitet sie in die Spiele gingen. Es begann schon damit, die Teams anhand ihrer Trikotfarben auseinander zu halten. Von einer Vorbereitung auf ihre Aufgabe konnte nicht die Rede sein. Doch genau wie viele Teams entwickelte sich auch dasjenige der Sprecher im Laufe der Zeit. Langsam, aber sicher kannten die Reporter die Aktiven auf und neben dem Feld. Sie waren durchaus bereit, Informationen über die Teams aufzunehmen. Hierfür wurde extra eine Mailadresse eingerichtet. Inwieweit diese von den Teams genutzt wurde, um Hintergründe zu erhellen, ist nicht bekannt. Auch in den Regeln fanden sich die Reporter immer besser zurecht. Diese hätten bei sorgfältiger Vorbereitung aber beim ersten Anpfiff bereits bekannt sein können.

Ihren besten Spieltag erwischten die Sprecher Mitte Mai in Stuttgart. Zum einen lag dies an den Duellen, die aufgrund der Tabellenkonstellation einige Brisanz erhielten. Zum anderen steigerten manche Teams ihre Leistung derart, dass ansehnlichere Spiele zu packenden Reportagen Anlass boten.

 

Eine Belebung brachte das zeitweilige Hinzuziehen von Co-Kommentatoren. Dies waren Spieler, Trainer und Betreuer verschiedener Teams. Je nach Mentalität ergänzten sie die Spielberichterstattung oder gaben hintergründige Informationen aus ihren Teams dem breiten Hörerpublikum zur Information. Gegen Ende der Saison wurde dieses Stilmittel der Berichterstattung wieder eingestellt.

 

Wünschenswert wäre, wenn die direkten Kommentare beibehalten werden könnten. Die Beteiligten werden sicher daran arbeiten, die Schwächen der ersten Saison auszumerzen. Dann kann der Audiokommentar ein lebendiges Element im Blindenfußball sein.

 

Presse, Funk und Fernsehen blieben dem Blindenfußball treu. Sicher war der Reiz des Neuen ein wenig verflogen. Doch lockt nach wie vor das Zauberwort Fußball. Zulieferer aus der DBFL blieb die Medienagentur Hüser, die sich durch den Nationalspieler Rene Thissen von der BSG Mainz einen Fachmann ins Haus holte. Darüber hinaus wird lokal seitens der Teams weiterhin für Aufmerksamkeit gesorgt. Den Medien vor Ort werden viele Informationen zur Verfügung gestellt. Mit zunehmender Qualität in der Liga wird dieser sehenswerte Behindertensport für die Medien weiterhin ein Thema bleiben.

 

Für das Erscheinungsbild der DBFL war während dieser zweiten Saison die Agentur Connect verantwortlich. Beauftragt vom Ligaträger Sepp Herberger-Stiftung sorgten die Profis aus Kronberg an allen vier Spielorten für ein einheitliches Erscheinungsbild der Liga. Gespielt wurde überall auf Kunstrasen. So wurde in Stuttgart das Tartanspielfeld des heimischen MTV zum Aufwärmplatz. Denn die DBFL hat ihre eigenen Banden, ihre Zelte und Technik immer dabei. Gelb ist die vorherrschende Farbe. Mit dem einheitlichen Erscheinungsbild kamen für die Spieler auch ziemlich einheitliche Spielbedingungen. Für die Außendarstellung war die Agentur Connect ein echter Gewinn.

 

Neben Blindenfussball.net haben sich mit Blindenfussball.org aus Berlin sowie Blindenfussball.com aus Dortmund zwei weitere Internetseiten etabliert. Die offizielle Seite der DBFL (.net) hat ihren Stil der dokumentierenden Berichterstattung aus dem Vorjahr konsequent beibehalten. Kritische Töne sind hier nicht zu finden. Der Service aber hat den größten Umfang. Die Seite des DBSV (.org) nahm in diesem Jahr vor allem die blinden und sehbehinderten Besucher des Fußballs in den Fokus. Sie stellte umfangreichen Service für diese Zielgruppe zur Verfügung. Die Seite des kleinen Vereins ISC Viktoria Dortmund (.com) verlegte sich auf kurze, aber facettenreiche und durchaus auch kritische Berichte zur Liga. So gewann die lesbare Eigenberichterstattung an Vielfalt und bietet den Interessierten ein breites Spektrum an Information und Unterhaltung.

 

Wie wichtig diese Eigeninitiative mancher Sportler ist, wird aktuell während der Europameisterschaft in Frankreich deutlich. Informationen kommen fast ausschließlich über die Tagebucheinträge beteiligter Spieler, die auf verschiedenen Blogs im Internet zu finden sind. Die Direktübertragung der deutschen Spiele war für dieses Turnier noch ein zu großer Bissen, der nicht geschluckt werden konnte.

 

Vision bleibt die Berichterstattung in Presse, Funk und Fernsehen, die sich vom erklärenden Charakter löst. Sind irgendwann begeisterte oder kritische Berichte in den Medien üblich, die Leistung, Taktik und Chancen zum Mittelpunkt haben, nimmt der Blindenfußball im Behindertensport eine Ausnahmestellung ein.

 

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