Der Zaun

Da haben sie mir meine Idee geklaut! So schwierig war das aber auch nicht. Jedem, der von den tollen Transitzentren sprach, war klar, dass zwischen den Zentren ein Zaun entlang der Grenze gezogen werden muss. Sonst laufen die Flüchtlinge einfach an den tollen Zentren vorbei. Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Bislang schlichen unsere Spitzenpolitiker wie selbige Tiere um den heißen Brei herum. Jetzt haben sie den Chef der Polizeigewerkschaft vorgeschickt. Der durfte das Wort „Zaun“ zum ersten Mal in den Mund nehmen. Rainer Wendt ist folglich der Theodor von Guttenberg des Jahres 2015. Theo war es damals, der zum ersten Mal „Krieg“ zum humanitären Einsatz in Afganistan sagen durfte. Hotte Köhler hatten sie dafür noch aus dem Präsidentenamt gejagt. Rainer Wendt fordert nun einen Zaun an der Grenze zu Österreich. Ihm kann das kein Gutmensch vorwerfen. Er ist besorgt um seine Mannen und Frauen. Jetzt können all die wichtigen Spitzenleute Stellung dazu nehmen. Dabei dürfen sie nun auch das böse Wort gebrauchen. Tosulit war Ohrenzeuge, wie sich vor ein paar Tagen Bayerns Innenminister Herrmann wandt wie ein Aal. Dreimal fragte der Redakteur nach. Doch der christlich-sozial Unionierte blieb eisern. Von Zaun war nicht die Rede.

 

So, aber jetzt kommen wir mit einer wirklich kreativen Idee. Wir Deutsche bauen nicht einfach einen Stacheldrahtzaun wie die blöden Ungarn. Wir machen etwas viel eleganteres, netteres – eben humaneres.

 

Der saure Regen war ja bloß so ein Werbegag von irgendwelchen Ökofuzzis in den 80er-Jahren. Jedenfalls haben wir noch eine Menge Wald in Deutschland. Und Baumschulen. Wir haben kürzlich gelernt, dass Bäume in Baumschulen durchgesägt werden. Wir schneiden also besonders toll wachsende Kronen bei Erreichen von neun Metern Höhe ab. Die tolle Krone setzen wir auf einen kleinen Baum. Den zieht die tolle Krone dann schneller in die Höhe. Die Krone von dem kleinen Baum heben wir auf. Die brauchen wir später. Den großen Stamm – jetzt ohne Krone – hauen wir um. Aus ihm machen wir lauter Latten, die alle exakt neun Meter lang sind. Wir brauchen viele davon. Es handelt sich sozusagen um eine nationale Aufgabe. „Deutschland auf dem Holzweg“ oder so könnte sie heißen. Alle machen mit. Gerhard Baum, Uralt-Minister der FDP, ist Schirmherr.

 

Tosulit-Leser sind schlau. Deshalb ahnt Ihr längst, wie es weitergeht. Der Deutsche baut ordentliche Zäune. Die sollen auch nach was aussehen. Der typische deutsche Zaun ist ein Jägerzaun. Hierfür eignen sich die produzierten Latten bestens. Schräg in den Bodengesteckt ergeben sie eine Zaunhöhe von etwa sieben Metern. Eine biblische, eine christliche Zahl.

 

Leser_innen, die als Kinder noch draußen spielten, werden jetzt einwenden, dass sie an solch einem Zaun ganz gut hochklettern konnten. Das Stimmt. In die caroförmigen Löcher lassen sich Füße und Hände gut hineinsetzen. Doch da haben wir noch eine Idee. Sozusagen den Clou. Alle zehn Meter setzen wir einen Schweineschädel auf den Zaun. Glaubt Ihr, dass auch nur ein Islami seine Hand an diesen Zaun legen wird? Für die ganz Abgebrühten bespritzen wir den Zaun mit dem Blut der Tiere. Kein Islami wird sich diesem Zaun auch nur nähern! Die Islamis hätten wir abgeschreckt. Weil der Deutsche gründlich ist, wird auch das Wappentier, das zum Beispiel im Plenarsaal des Bundestages prangt, entsprechend angepasst.

 

Hinter dem schönen Jägerzaun, für dessen Bau übrigens Ralf Jäger, der Innenminister von NRW, die Schirmherrschaft übernehmen wird, schaffen wir gute deutsche Gartenidylle. Da haben wir erstmal einen Streifen sorgfältig geschnittener Rasenfläche. Aufgelockert wird sie durch gelegentliche Spielplätze. Da können unsere Kleinen Burgen bauen und diese verteidigen. Das bereitet sie großartig auf künftige Aufgaben vor. Frühförderung ist modern und wichtig. Besondere Wippen haben wir auch. Am einen Ende sitzt immer ein Pappneger, der mit genug Schwung meterweit in die Pampa geschleudert werden kann. Am besten über den Zaun. Große Schaukeln ermöglichen dem Nachwuchs gelegentliche Blicke über die Latten. So erkennen sie gleich den Unterschied zwischen der Ordnung hier und der Barbarei jenseits des Jägerzaunes. Auf dem Rasen laufen dutzendweise Gartenzwerge mit Schubkarren herum. Die sind vollgeladen mit Sachen vom Mediamarkt. Auf den Karren prangt das Wort „MEHR“. So lernen die Nichtislamis, die den Zaun überklettern wollen und hinüber gucken, gleich unsere Leitkultur kennen. Ergänzt wird der Streifen hinterm Zaun durch Grillplätze. Schirmherr hierfür ist Reiner Calmund. Und schon wieder müssn wir die deutsche Gründlichkeit erwähnen. Verfeuert werden nämlich die kleinen Baumkronen, die wir eingangs nicht mehr brauchten. Auf dem Rost brutzelt alles vom Schwein. Natürlich ohne Kopf. Die Schädel werden ja auf dem Zaun gebraucht. Fröhlich schwingen deutsche Männer, die für ihr Leben gern grillen, den Bratspieß und die Wurstzange. Tosulit garantiert: Wenn die Nichtislamis den Zaun überklettern und diese Idylle sehen, lassen sie sich sofort fallen und fliehen kopflos in die Barbarenzone. Also genau genommen nach Österreich. Die tollen Transitzentren bleiben leer. Auch hierfür garantieren wir. Die Flüchtlingswelle ist gestoppt. Die Österreicher sollen sehen, wie sie klarkommen. Deren kulturelle Eigenheiten wie das Jodeln könnte zu weiteren Rückfluchtbewegungen führen.

 

So hätten wir auf total friedlichem und sehr leitkulturellem Wege keine Asylbewerber mehr in Deutschland. Forstwirtschaft und Massentierhaltung erleben einen ungeahnten Aufschwung. Die Arbeitslosigkeit verschwindet, weil alle zum Grillen geschickt werden. Die Frauen werden ebenfalls wieder zahm, weil sie ja das ganze Geschirr vom Grillen wegspülen müssen. Von den Kindern haben wir bereits erzählt. Wahrscheinlich machen die in ihren 24 Stunden-Kitas Lotterien, wer auf diese tollen Spielplätze am Jägerzaun darf. Für die hier lebenden Islamis, denen das vielleicht alles nicht gefällt, lassen wir eine große Tür im Zaun. Die geht natürlich nur nach außen auf – Richtung Österreich. Ist ja klar. Wir zwingen niemandem unsere Leitkultur auf. Die ganze Idee wird zum Exportschlager. Abgewandelt kannst Du sojede Grenze schützen. Am 1. Juli 2016 wird Frau Dr. Angela Merkel im Plenarsaal unter den Augen des Bundesschweins zur Kaiserin gekrönt. Gleich danach gibt sie die Trennung von Herrn Sauer bekannt und bittet den einzigen Kaiser der Nation um seine Hand. Was wird die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, Franz B. I, wohl antworten? Tosulit weiß viel, aber längst nicht alles.

 

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