Mehr

Wer in diesen Tage mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kommt nicht umhin, die aufdringlichen Botschaften des Mediamarktes zu registrieren. Sie sind allgegenwärtig und die Plakate sind so groß, dass sie locker die komplette Seitenwand eines Bus-Wartehäuschen ausfüllen.

Hier ein paar Kostproben:
Mehr „Gut?“ – Mehr „Besser!“ – Mehr „Nehm ich!“
Oder
Mehr „Haben Sie?“ – Mehr „Haben wir.“ – Mehr „Haben wollen!“
Auch zu lesen:
„Mehr finden – mehr sparen – mehr Chakka!“

Mein erster Gedanke war, dass es wirklich allerhöchste Zeit wird für ein Gesetz gegen Verdummung.
Meine erste Empfindung war Zorn. Zorn darüber, dass ich gezwungen bin, mir solch einen Mist anzuschauen. Zorn darüber, dass sich offensichtlich außer mir niemand deswegen aufregt. Zorn darüber, dass für so etwas tatsächlich Geld vorhanden ist.
Und dass das alles als „normal“ gilt.

Ich weiß nicht, ob die Werbetexter sich bei dieser Kampagne etwas gedacht haben, außer vielleicht: „Je dümmer, desto besser, weil passend zu unseren Kunden“. Sicher haben sie nicht bedacht, dass solche idiotischen Sprüche auf viele Menschen einfach abstoßend wirken.

Aber mir ist nach der ersten Empörung etwas aufgefallen. Nämlich das Wort „mehr“. Dieses Wort ist in jeder der Botschaften enthalten. Es geht hier natürlich nicht um ein Mehr an Liebe, an Freude, an Toleranz oder an Empathie. Es geht um ein Mehr an materiellen Gütern. Nirgendwo wird präzisiert, von welchen Gütern wir denn „mehr“ kaufen sollen. Das ist anscheinend völlig irrelevant. „Mehr“ ist die Devise.

An dieser Stelle hat die Werbekampagne – sicher ohne es zu wollen – etwas Entlarvendes zu unserer Gesellschaft gesagt. „Mehr kaufen – mehr besitzen“ ist der Grundsatz, nach dem wir alle leben oder zumindest leben sollen.

Es wird dieser Tage wieder viel über Leitkultur oder einen sogenannten Wertekonsens geredet und geschrieben. Wir müssen nicht mehr mühsam um eine Definition ringen. Es gibt schon eine!

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Eine Antwort zu Mehr

  1. Petra schreibt:

    Ein Gesetz gegen Verdummung ist unnötig. Wer nicht dumm ist, kann es nicht durch solche Werbung gemacht werden. Und ein Gesetz gegen Dummheit ist auch wenig erfolgversprechend. Solche Werbung hat leider ihre Zielgruppe, die real existiert. Darüber, wie diese Zielgruppe überhaupt entstehen konnte und wie man ihr Wachsen verhindern könnte, lohnt es sich nachzudenken. Der Konsum der Menschen füllt eine Lücke, die es anderweitig auszufüllen gilt.

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