Das fokussierte Ohr

Das Ohr des Menschen hat keine Pupille, die sich auf einen bestimmten Ausschnitt der Umgebung richten und andere Teile weitgehend ausblenden kann. Mechanisch ist nichts zu machen. So bleibt es dem Gehirn überlassen, die einströmenden Geräusche zu sortieren und zu versuchen, die wichtigen in den Vordergrund zu rücken. Ungehinderter Zufluss des akustischen Wahrnehmungsspektrums ist hierfür unabdingbar. Dieses Faktum sollte bei der Frage nach einem Kopfschutz berücksichtigt werden.

 

Das wichtigste Geräusch für den blinden Feldspieler ist das Rasseln des Balles. Um den Besitz des Spielgerätes und dessen erfolgreiche Verwertung geht es nun einmal in diesem Spiel. Somit kommt auch der Konstruktion des Klangsystems im Ball eine herausragende Bedeutung zu.

 

Zweitwichtigste Information ist der Standort der eigenen und gegnerischen Feldspieler. Im eigenen Team muss eine klare und kurze Kommunikation eingeübt werden. Lange Erklärungen belasten zu sehr die Wahrnehmung.

Unbedingt zu vermeiden ist, dass sich zwei Spieler derselben Mannschaft um den Ball bemühen. Sowohl Standort der Mitspieler als auch deren Deckungszustand durch die Verteidigung muss möglichst kurz und klar kundgetan werden. Nur so kann der Ballführende entscheiden, ob er dribbelt oder passt.

Der Gegner kommuniziert entweder in den eigenen Reihen und ist auf diese Weise zu orten. Oder er greift den Ballführenden mit dem Ruf „voy“ an.

 

Als dritte Stufe der akustischen Wahrnehmung sollten die Hinweise der sehenden Teammitglieder Torwart, Rufer und Trainer betrachtet werden. Sie enthalten neben der Lautäußerung häufig weitere Informationen, die verarbeitet werden müssen. Hinweise zur Orientierung sollten durch den inneren Kompass, auf den an anderer Stelle näher eingegangen wurde, minimiert werden.

 

Als vierte Ebene sind bei der Freiluftsportart Blindenfußball unweigerlich Außengeräusche vorhanden. Wind, Regen, Zuschauer, Passanten, Straßen usw. verursachen Geräusche, die der Blindenfußballer eigentlich nicht gebrauchen kann.

 

Der Feldspieler soll nun die Fähigkeit entwickeln, sein Gehör mehr und mehr auf die für ihn im Augenblick wichtigen Geräusche zu fokussieren. Unwichtiges muss soweit wie möglich ausgeblendet werden. Je besser dies gelingt, umso schärfer wird die Wahrnehmung sein. Eine scharfe Wahrnehmung ist Grundlage eines erfolgreichen und ansehnlichen Spiels. Erstaunlich ist, wie stark das Gehirn in der Lage ist, zu filtern. Außengeräusche bspw. der Zuschauer können völlig verschwinden. Lediglich die für das Spiel maßgebenden Geräusche werden wahrgenommen. Erleichtert wird dies, wenn die Kommunikation innerhalb des Teams auf das Nötige beschränkt ist.

Dieses hohe Maß an Konzentration ist neben der Laufleistung der Spieler sicherlich der kräftezehrendste Faktor des Blindenfußballs. Das zentrale Wahrnehmungsorgan des Menschen fehlt. Die Information des Auges durch die des Ohres zu ersetzen, stellt eine immense Leistung dar. Im komplexen Sport Blindenfußball muss der Spieler diese Leistung mit anderen wie Lauf- und Zweikampfstärke sowie Spielwitz paaren.

 

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