Ein Tag voller Leben

Der öffentliche Personen-Nahverkehr kann richtig schön sein. Manchmal ist es erholsam, an einem Sonntagmorgen um 8.14 Uhr in die Bahn zu steigen. Keine für Hombruch typischen Omas, die sich ihre Krankengeschichte erzählen. Keine Studenten, die obercool über ihre nächste Arbeit parlieren. Oder Teenies, die bei Dauerkichern ihr Smartphone bedienen. Das alles ist Leben. Doch gelegentlich darf es schlafen, wenn ich Bahn fahre. Am Bruchheck dann Susanne ganz in der Nähe und die erfrischende Morgenluft im Blut. Angereichert mit Kaffee, zwei einsamen Tomaten für den Hunger und guten Gesprächen ging es los zum Hörder Bahnhof. 

Hier startete unsere Wanderung. Wir saßen in der Sonne und warteten auf den Bus. Alle waren entspannt und freudig gestimmt. Die Busfahrt ließ erahnen, wohin es ging. Stetig bergauf und ab und zu in Serpentinen fuhren wir bis zur Syburg. Kaum über die Straße waren wir auch schon im Wannebachtal. Dies ist vielleicht die schönste grüne Oase Dortmunds. Viele Eltern sind mit ihren Kindern dort, damit diese mal freien Auslauf genießen können. Dies bietet ihnen Entspannung von der frühkindlichen Förderung mit Englisch oder Gruppendynamik in Krabbelgruppen. Uns auch. Die Sonne schien vom Herbsthimmel. Die Schäfchen blieben still. Doch Susanne kann vielleicht ein Bild zeigen.

Apfelbaum im Wannebachtal

Apfelbaum im Wannebachtal

Angestiftet habe ich sie dann zu Mundraub. Ein Apfel frisch vom Baum. Sollte er gespritzt gewesen sein, muss ich das verkraften. Er schmeckte gut. Es ging über Stock und Stein. 

Idylle mit Schafen

Idylle mit Schafen

Leider kamen wir irgendwann der A45 wieder näher. Da hört der Wanderer, wie viele Menschen in schneller Fahrt irgendwelchen Zielen entgegen eilen. Wir eilten nicht. Bald erreichten wir den Stadtteil Holzen, der seinem Namen Ehre macht. Ein paar Menschen wohnen auch dort. Einige SGV-Mitwanderer wurden dort geboren. 

Als wir eine erste lange Steigung Richtung Schwerter Wald genommen hatten, war Ende im Gelände. Angela eroberte die Mauer, auf der wir uns dann auch niederließen. Eine Mitwanderin war etwas penetrant und meinte, mit etwas Willen könnten wir den Rest doch noch schaffen. Susannes klare Ansage nützte nichts. Manche Menschen musst Du mit dem imaginären Gummihammer auf den Kopf hauen und sie merken dennoch nichts. Ungeachtet dieser Dame fuhren wir mit dem Taxi heim. 

Hier war nur noch Ausruhen und Wirkenlassen angesagt. Der Paukenschlag wartete noch im Mailpostfach. Dort fanden wir am frühen Abend Richards Rücktritt vom Blindenvereinsvorsitz. Oh weia, der Wechsel kommt noch früher als erwartet. Es war aufregend, spannend. Eine Nacht drüber schlafen. Klar. Aber erst noch ein wenig Gedanken austauschen. Was machen wir damit? Wie geht es weiter? Ein gewisses Herzklopfen. 

Heute, drei Tage später weiß ich, welch lebendiger Tag das war. Energie strömt. Und zwar nicht von uns weg, sondern zu uns hin. Ein gewisser Druck ist weg. Neue Ideen können sprießen. Die Vorstellung von wieder gemeinsamer und freudvoller BG-Arbeit nimmt reale Gestalt an. Es waren doch schwierige letzte Monate. Menschen mit unterschiedlich viel Energie können nur mühsam zusammenarbeiten. Vor allem, wenn der Langsamere die kurze Leine zu führen versucht. Ein Druck ist weg und das Leben kann fließen. Wie schön es sich anfühlt!

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