Innovative Spielfeldeinteilung

Wie kann ich meinen Spielern taktische Formationen, Spielzüge und ähnliches zeigen? Diese Frage stellt sich für den Trainer einer sehenden Fußballmannschaft nicht. Es gibt Tafeln, Zettel oder Bilder. Den sehenden Spielern kann auf diese Weise in Sekunden-schnelle vor Augen geführt werden, was ihnen ihr Coach zeigen möchte. Im Blindenfußball ist dies nur mit dem Torwart und manchmal mit Feldspielern möglich, die noch recht gut sehen können. Praktikabel ist es letztlich nicht.

 

Es gibt Plastikfolien, die das Spielfeld des Blindenfußballs darstellen. Alle Linien sowie die Tore des Feldes sind tastbar. So ist es dem Blinden möglich, sich in Einzelarbeit einen Überblick über das Spielfeld zu verschaffen, indem er die Folie abtastet. Dabei nimmt er jeweils nur das mit den Fingern wahr, was gerade darunter ist. Eine gewisse Zeit wird nötig sein, damit sich im Kopf des Sportlers ein Gesamtbild der Spielfläche sowie deren Aufteilung ergibt. Dieses Gesamtbild ist wichtig für den inneren Kompass, der an anderer Stelle angesprochen wurde. Auch die Darstellung taktischer Formationen oder von Spielzügen baut auf diesem Gesamtbild auf. Die Trainer sollten sich die Zeit nehmen, mit ihren Schützlingen im Gedächtnis eine Vorstellung vom Spielfeld zu verankern.

 

Fixiert man die Plastikfolie mit dem fühlbaren Spielfeld nun bspw. auf einer Magnetplatte, ist es möglich, mit magnetischen Figuren Spielsituationen nachzustellen. Die Magnetkraft sorgt dafür, dass die Figuren fest stehen und beim Tasten nicht verschoben werden können. Die Figuren sollten deutlich unterscheidbar sein, um zwei Mannschaften darstellen zu können. Runde und spitze Köpfe sind hierfür eine Möglichkeit. Wiederum in Einzelarbeit kann der Trainer seinem Schützling nun „bildlich“ darstellen, wie er sich bspw. die Abwehrformation der eigenen Mannschaft denkt. Will er ihm nun Spielzüge verdeutlichen, kann er die Figuren versetzen und der Spieler ertastet sich die neue Situation. All dies nimmt viel Zeit in Anspruch, ist aber notwendig. Denn nur ein begriffener Spielzug kann auf dem Feld umgesetzt werden.

 

Diese Art der Vermittlung erfordert nicht nur die notwendigen Materialien, sondern auch einen sehr hohen Zeitaufwand. Das Begreifen dauert wesentlich länger als das Anschauen und kann nur in Einzelarbeit durchgeführt werden – je nach Anzahl der Spieler also bis zu zehnmal. Die Zeit hierfür ist meist nicht vorhanden.

So greift der Trainer i.d.R. auf die verbale Beschreibung dessen zurück, was er vermitteln will. Hierbei kann er natürlich auf herkömmliche Weise vorgehen. Er spricht dann von vorne links oder Mittelkreis. Dazu, dies sprachlich zu vereinfachen, dient nun eine besondere Aufteilung des Spielfeldes in neun Zonen.

 

Wir stellen uns das Feld wie eine Telefontastatur vor, die vor dem Torwart liegt. Steht der Keeper in seinem Tor, hinter der Torlinie, befindet er sich auf der null. Vorne links befindet sich die eins, daneben zwei und drei. Das Mittelfeld ist von links nach rechts in vier, fünf und sechs unterteilt. Das Verteidigungsdrittel besteht aus sieben, acht und neun. Steht der Torwart auf seiner Torlinie oder im Zweimeterraum, befindet er sich auf der acht. Der Mittelkreis liegt in der Zone fünf. Ein Linksaußen befindet sich auf eins. Die Aufteilung der Telefontastatur ist fast jedem Menschen gut bekannt und kann somit sehr schnell erlernt werden. Jede Zone ist auf einem Blindenfußballfeld etwa 14 Meter lang und 7 Meter breit.

 

Das Einführen der Telefontastatur als Spielfeldeinteilung soll die Kommunikation erleichtern, verdeutlichen und verkürzen. „Den Ball von links hinten an der Bande entlang nach links vorn spielen“ heißt dann übersetzt „von sieben auf eins“.

 

Es mag weitere Varianten der Vereinfachung verbaler Vermittlung geben. Diejenige mittels Telefontastatur hat sich bewährt. Das Spielfeld wird in klar abgegrenzte Zonen geteilt. Die Benennung der Zonen ist aus dem Alltag bekannt. Es sind nicht zu viele, sodass eine Beschreibung überschaubar bleibt. Der Trainer hat ein Instrument in der Hand, mit dem er zügig zum Ziel kommen kann. Seine Spieler verstehen ihn.

 

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