Teurer Trick

Das sind doch wirklich Schlawiner da in Wolfsburg. Haben die ihre Dieselautos so programmiert, dass die mitkriegen, wann Test ist und wann auf der Straße gefahren wird. Die sind aber wirklich schlau heutzutage, diese Autos. Bei der IAA träumen sie ja schon von völlig selbständig fahrenden Karossen. Viele sehende halten das für den Gipfel der Glückseligkeit für blinde Menschn. Das aber nur am Rande. Von was auch immer wer träumt, es steckt wohl eine Menge Software drin in so einem Auto. Wir ahnen das. Wissen kann das ein Laie und Automuffel wie ich natürlich nicht. Habe ich mir auch nie tiefere Gedanken darüber gemacht. Nebenbei – die Gefahr durch unhörbare Elektroautos lässt mich ruhig schlafen. Zwar hören wir die wirklich nicht mehr. Aber die eine Million, die sich Frau Dr. Angela bis 2020 wünscht, sind ein schlechter Witz. Es wird sie nicht geben. Nun aber tatsächlich zurück zum Thema.

 

Der liebe Volkswagen-Konzern wollte, dass die Amis den Diesel lieber haben als bisher. Irgendwie mögen die den nicht. Wurde nie näher erklärt. Warum VW dies nun unbedingt wollte, wird auch nicht erklärt. Vielleicht kamen sie mit den Benzinautos in den USA noch weniger an. Und so haben die Volkswagens den Amis erzählt, wie toll sauber so ein Diesel ist. Und die Amis haben das geprüft und geglaubt. Erstmal jedenfalls.

 

In Wolfsburg wussten sie, dass das gar nicht stimmt mit den sauberen Dieselautos. Irgendwie hatten die Ingenieure das nicht hingekrriegt oder es war zu teuer. Das wissen sie in Wolfsburg auch nicht mehr so genau. Da hatten dann ein paar pfiffige Praktikanten eine tolle Idee. Sie zückten ihre Smartphones, suchten herum, dachten sich was und schrieben ein Programm. Das sagte dem Auto, wann Test ist und wann Straße. Bei Test wurde weniger rausgeblasen. Das zeigten die Praktikanten all den Chefs über diverse Hierarchieebenen hinweg. Bis hoch zu Herrn Winterkorn. Der war ja nicht nur der Oberchef, sondern leitete quasi nebenbei die Entwicklungsabteilung. Alle Chefs fanden das prima. Sie dachten sich, damit machen wir ein Riesengeschäft. Und wenn wir erwischt werden, machen wir eben ein etwas kleineres Riesengeschäft. Und weil sie das dachten, schlugen sie die Warnungen der amerikanischen Umweltbehörde im vergangenen Jahr in den Wind.

 

Diese hat nun die Nase voll und wies den Volkswagens nach, dass ihre Dieselautos dieses Programm in sich haben. Es droht erstmal eine Strafe von 18 Milliarden Euro. 6,5 davon haben sie in Wolfsburg schon mal beiseite gelegt. Sozusagen in die Schublade. Dazu könnten noch diverse Schadenersatzklagen kommen. Mit Schadenersatz sind die in den USA ja nicht so kleinlich wie bei uns. Da geht es gleich in die Vollen. Und dann gibt es ja noch sowas wie Image. Den Schaden kann niemand beziffern. Finde ich auch schwierig. Bei Abgaswerten geht es ja primär um Umweltschutz. Diesen Begriff bringe ich mit dem Begriff Autofahrer kaum in einen Satz. Also vielleicht der mehr so generelle Imageschaden. Volkswagen ist also ein unehrliches Unternehmen. Okay, das wiederum klingt wie weißer Schimmel. Welches Großunternehmen ist schon ehrlich? Vielleicht doch kein Imageschaden? Ziemlich diffus, wenn überhaupt. Mit irgendwas um die 20 Milliarden tatsächlicher Zahlungen ist wohl zu rechnen. Für nicht wenige Staaten in dieser Welt wäre das ein sehr auskömmlicher Jahreshaushalt.

 

Der Niedersachse ist auch geschädigt. Zum einen, weil rund um Wolfsburg Zigtausende von Arbeitsplätzen direkt und indirekt an VW hängen. Zum anderen, weil das Land Niedersachsen zu 20 % an Volkswagen beteiligt ist. Im letzten Jahr flossen 300 Millionen Euro Dividende in den Landeshaushalt. Die könnten bald fehlen. Der Wertverlust der Aktie ist wiederum imaginär. Niedersachsen wird seine Aktien ja nicht in Geld umtauschen. Dennoch müssen wir wissen, dassVolkswagen mit Volkseigentum handtiert.

 

Deshalb sitzen im Aufsichtsrat von VW auch Politiker aus der Landesregierung in Hannover. Die ist rotgrün. Früher waren die Grünenmal gegen Autos. In den 90ern forderten sie auf ihrem Parteitag in Magdeburg mal 5 DM pro Liter Benzin. Heute sind sie schon auch noch irgendwie manchmal gegen Autos. Wenn sie nicht gerade selber in ihrer klimatisierten Mittelklasse-Limousine auf dem beheizten Popo sitzen. Naja und die Sozis, die hatten noch nie was gegen Autos. Wieso auch? Schaff doch Arbeit! Und was Arbeit schafft, ist sozial! Daher der Autokanzler Schröder,der zu seiner Zeit ein bisschen Opel retten durfte. So durften dann die im Januar 2013 gewählten Sozis im Aufsichtsrat von VW Platz nehmen. Weiche Sessel haben sie dort mit großen Seitentaschen, in die dicke Umschläge hinein passen. Gut, über solch Kleinigkeiten wie Abgaswerte werden sie im Aufsichtsrat nicht reden. Von der Technik versteht so ein Sozi ja ohnehin nichts. Aber über die Geschäftsstrategie des Konzerns sollten sie dort schon reden. Natürlich auch über das letzte Spiel ihres VFL. Weil das so ist, reden die Aufsichtsratssozis dann im Radio Weichspülwischiwaschi. Und sogar Geklautes: „Größtmögliche Aufklärung“ kennen wir doch schon von den Christlich-unionierten, die daran seit 2000 arbeiten.

 

Die Autoindustrie liegt aber nicht nur den Sozis und Grünen am Herzen, sondern allen Politikern. Weil sie ja so viele Arbeitsplätze hat. Weil sie so schöne Lobbyarbeit leistet. Weil sie das Aushängeschild der deutschen Wirtschaft ist. Weil sie so schöne Ausweichpöstchen bereithält. Und so erfahren wir quasi nebenbei, dass in Deutschland die Abgaswerte gar nicht objektiv von einer Behörde geprüft, sondern einfach von der Industrie übernommen werden. Wenn VW sagt, da kommen soviel Mikrogramm Ruß raus, dann glauben wir das. Voller Vertrauen in unsere Vorzeigefirmen. Nach solchen Angaben werden dann Steuern und Versicherungen berechnet. Das zahlt der Kunde. Ich überlege mir, ob nach solchen Angaben nicht auch der jährliche CO2-Ausstoß der in Deutschland fahrenden Kfz berechnet wird. Diese hohen Tonnenangaben, die kein Mensch nachvollziehen kann. Messen kann das ja niemand. Aber die Zahl der Kfz kennen wir genau. Und die Zahlen der Abgaswerte kennen wir auch genau, nur sind sie nicht ehrlich. Sind dann nicht diese Abgaszahlen für die Umweltdebatte ziemlicher Quark? Gut, das ist jetzt wieder abwegig, oder?

 

Jetzt will der Dobrinth da nachmessen lassen. Aber hurtig. Natürlich nur bei diesen VW-Dieselautos. Bei all den anderen Autos werden die bei VW und all den anderen tollen Autofirmen des Landes sichr nicht betrogen haben. Nein, das glaube ich auch nicht. Herr Dobrint macht das schon richtig. Für ihn ist der Zeitpunkt sowieso gerade blöd. Immerhin haben wir Oktoberfest. Da hat die CSU wirklich was anderes zu tun als sich mit blöden Norddeutschen herumzuplagen. Der Dobrinth hat sich aber geirrt. Inzwischen wird zugegeben, dass auch bei Audi und Skoda was geschummelt wurde. Deshalb geht der Dobrinth trotzdem aufs Fest.

 

Der Herr Winterkorn ist nun gegangen. Wie golden sein Handschlag ist, wissen wir nicht. Er hat natürlich auch von nichts gewusst. Sagt er. Also haben wir uns das weiter oben bloß ausgedacht, dass der auch was wusste. Ein ganz guter Schauspieler ist er ja. Vielleicht musst Du das sein als Topmanager. Sein Pathos war schon gut, als er sagte, dass Volkswagen und Täuschung nie wieder zusammen gehen dürfen. Ja ja, so sprach der Herr Winterkorn. Der Pierch wollte ihn ja schon vor einem halben Jahr weg haben. Jetzt ist es soweit. Nutzt es was? Nein. Denn ob sie Winterkorn heißen oder Mustermann, ist völlig egal. In der Postdemokratie kontrolliert in der oberen Etage keiner keinen. Wenn mal was auffliegt, dann nur, weil sie sich furchtbar dumm anstellen oder einfach zur Wahrung des Scheins. Hernach geht alles fröhlich weiter. Siehe die Banken nach der Finanzkrise!

 

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