Raute & Rechteck

Dieses Thema stammt eher aus der Gründerzeit des deutschen Blindenfußballs. Mittlerweile weiß man, dass es noch weitere Möglichkeiten gibt. Vielleicht musste der eine oder andere auch erkennen, dass die blinden Feldspieler durchaus flexibel mit ihren Positionen umgehen können. Aber während der Anfangsphase hatten wir alle keine Erfahrung und mussten probieren. Damals hieß es, die Raute sei die Formation, in der Blindenfußball gespielt wird.

 

Vor dem eigenen Torwart spielt in der Raute der Libero, ein reiner Verteidiger zur Absicherung. Auf den Außenbahnen befinden sich zwei Spieler, die sowohl Abwehr- als auch Angriffsaufgaben übernehmen. Vorm gegnerischen Tor wartet ein Goalgetter auf seine Chancen.

Demgegenüber stand bald das Modell des Rechtecks. Zwei Verteidiger und zwei Angreifer besetzen jeweils einen Quadranten des Spielfeldes. Beide Paare haben ihre Aufgaben und greifen nicht in den Bereich des jeweils anderen Paares über.

 

Die Raute hat grundsätzlich den Vorteil, dass beide Spielfeldhälften zügig mit drei Spielern besetzt werden können. In der Verteidigung erzeugt dies für den Anfänger ein größeres Sicherheitsgefühl. Für die Offensive stellt man sich vor, dass einer der beiden Außen den Ball vom Torwart aufnimmt und nach vorn schleppt. Dort kommt es entweder zum Torabschluss oder zum Pass in die Mitte. Mit drei Angreifern in des Gegners Hälfte zu sein, nährt vielleicht auch die Hoffnung, Abpraller besser verwerten zu können. Auf ausgeprägtes Kombinationsspiel in des Gegners Hälfte musste schnell verzichtet werden. Hierzu fehlen bis heute vielfach die fußballerischen Qualitäten.

Die Formation des Rechtecks setzt eindeutiger auf zwei Mannschaftsteile. In der Defensive fordert sie von den Verteidigern die Fähigkeit, zu doppeln, da kein Libero als zusätzliche Absicherung zur Verfügung steht. Läuft der Angriff des Gegners bspw. über links, muss der rechte Verteidiger die Liberoposition übernehmen. Der eigene Angriff wird vom Torwart mit langem Abwurf entweder direkt auf die Stürmer oder mit kurzem Abwurf auf die Verteidiger gespielt. Die Verteidiger bedienen die Stürmer bevorzugt mit Pässen an der Bande entlang. Somit können die Stürmer die Bande als Hilfe zur Kontrolle des Balles nutzen. Ein Außenstürmer muss allerdings erst nach innen dribbeln, um seine Schussposition zu verbessern.

 

Beide Formationen sehen wenig Kombinationsspiel vor. Allenfalls vor dem Tor wird – vor allem bei der Raute – quergepasst. Ein Mittelfeldspiel kennen beide Formationen nicht. Die Außen in der Raute nehmen den Ball zwar formal im Mittelfeld auf. Auf ähnlicher Position stehen aber auch die Stürmer des Rechtecks. Zuspiele sind im Mittelfeld nicht vorgesehen. Im Rechteck können die Pässe vom Verteidiger zum Stürmer als Ansatz eines Aufbauspiels gewertet werden.

 

Deutlich laufintensiver – besonders für die zwei Außen – ist die Raute. Diese nehmen zwei grundverschiedene Funktionen wahr – die des Angreifers und die des Verteidigers. Im Rechteck sind die Aufgaben eindeutiger zugeordnet. Es gibt zwei Paare von Spezialisten, während in der Raute jeweils nur ein reiner Angreifer und ein reiner Verteidiger spielen. Das Rechteck nutzt auf jeder Position die Bande als Orientierungs- und Ballkontrollhilfe. Die Spitzen der Raute haben jeweils nur Torwart bzw. Rufer zur Orientierung und stehen bei der Ballannahme im freien Raum.

 

So erscheint das Rechteck für die ersten Gehversuche im Blindenfußball geeigneter zu sein. Benötigt werden nur Spezialisten und keine Universalisten. Die Aufgaben sind eindeutiger. Der Bewegungsradius ist kleiner. Die Bande ist zur Orientierung immer in der Nähe.

 

Über dieses Anfangsstadium sind einige Teams in Deutschland längst hinaus. Mehr als diese zwei Formationen werden mittlerweile gespielt. Während der Partie können die Teams ihre Grundformation umstellen. Sogar innerhalb eines Angriffszuges kann sich die geometrische Figur auf dem Feld ändern. Dennoch sind beide Grundausrichtungen nicht verschwunden. Weiterhin können sie als Ausgangsformationen verwendet werden.

 

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