Lackmustest fürs braune Nest

Der Begriff Lackmustest stammt aus der Chemie und misst den PH-Wert einer Flüssigkeit. Schon das passt ganz gut auf die Situation in Dortmund. Wie sieht es aus mit dem PH-Wert dieser Stadt? Im übersetzten Sinn würden Wikipedia und ich denLackmustest gern als Prüfstein verstehen.

 

Die Entscheidung des NRW-Innenministers Jäger fiel am Samstag zur Anstoßzeit 15.30 Uhr. Doch war dem gemeinen Dortmunder der Blick an diesem Wochenende nicht von der Borussia getrübt, denn sie spielte nicht. So sprach es sich herum, dass Jäger die nach NRW fahrenden Flüchtlinge in Dortmund stranden lassen wollte. Es geschah. Im Laufe des Sonntages kamen laut RN rund 1.500 Menschen in Dortmund an. Untergebracht wurden sie im Dietrich Keuning-Haus. Von dort sollen sie NRW-weit verteilt werden.

 

Viele Bürger der Stadt reagierten großartig. Sie brachten schon während der Nacht Sachspenden zum Bahnhof. Ohne offizielle Organisation türmten sich laut RN hier Decken und dort Wasserflaschen. Vermutlich herrschte eine lockere Atmosphäre am und im Bahnhof. Die flüchtenden Menschen waren noch weit weg, da wurde ihnen schon der Empfang bereitet.

 

Der erste Samstag im September gehört in Dortmund gewöhnlich den Nazis. Statt den 1. September als Antikriegstag zu feiern, dichten sie ihn um um und feiern den Kriegsbeginn. Diesmal waren es „nur“ 30 Gestaltn, die nachts auf der Katharinentreppe spukten. Laut RN war es mal wieder erst die Gegendemo, die die Nazis in den Blick rücken ließ. Wir waren nicht dabei und suchen deshalb gern die Wahrheit in der Mitte. Die Nazis mit der S-Bahn nach Dorstfeld abzutransportieren, war wohl auch nicht die beste Idee der Polizei. So kamen sie auf den Bahnhof und in die Nähe anders Gesinnter. Die Nazis zu ignorieren mag Herrn Lange, unserem Polizeipräsidenten, in den Kram passen. Ein Leitfaden für die Dortmunder kann das nicht sein.

 

Denn am Rande der Stadt, in Kemminghausn, wurde zur gleichen Zeit ein Brandanschlag auf ein Gebäude verübt, das künftig als Flüchtlingsunterkunf dienen soll. Entweder zündete der Molotow-Cocktail nicht oder die Feuerwehr war dank eines Anwohners rechtzeitig vor Ort. Jedenfalls entstand offenbar kein großer Sachschaden. Die Polizei hat eine Sonderkommission gegründet. Ob sie diesmal ausnahmsweise einen fangen?

 

Die Prominenz stand bereit. Natürlich zum am besten gefüllten Zug und erst nach dem Frühstück. Den zweiten Zug um 10.30 Uhr erwarteten auf dem Bahnsteig Ralf Jäger (NRW-Innenminister), Ulrich Sierau (Oberbürgermeister), Diane Jägers (Rechtsdezernentin) und Gregor Lange (Polizeipräsident). Letzterer zeigte besonderen Einsatz und trug manche Plastiktüte die Treppe runter. Nach diesem medienwirksamen Auftritt schimmerten aber auch schon andere Töne durch. „Was wir machen, hat seine Grenzen“, wies OB sierau darauf hin, dass diese Menschen bloß nicht alle in Dortmund bleiben können. Das dürfte doch eigentlich klar sein. Rechtsdezernentin Jägers zeigte sich näher an der Realität. In sozialen Netzwerken verbreite sich die gute Nachricht von der Dortmunder Willkommenskultur. So würde Dortmund zum Ziel vieler Wünsche. Jägers weist vorsorglich darauf hin, dass wir irgendwann nicht mehr alle Wünsche erfüllen können. Werden da die Schranken im Kopf sichtbar? Kämmerer Stüdemann rutschte bei seinem Besuch im Keuning-Haus ein kleines Wörtchen heraus: „Darauf können wir wirklich mal stolz sein“. Das Wörtchen „mal“ deckt auf, was wir häufig denken. Dortmund bekleckert sich üblicherweise nicht mit Ruhm, wenn es um Flüchtlinge geht. Ständig darf hier der braune Mop seine Aufmärsche vor Unterkünften durchführen. Viele Dortmunder helfen im Stillen. Aber eine stadtweite, laute Bewegung gegen das braune Nest in dieser Stadt gibt es nicht.

 

Aus unserer Sicht liegt das daran, dass die Verantwortlichen lieber totschweigen, dass Dortmund eine braune Hochburg ist. Vor wenigen Wochen wurde dies in einer Radio-Diskussion überdeutlich. Nur, wenn die Verantwortungsträger endlich zur Realität stehen, kann etwas geschehen in dieser Stadt. Die SPD spielt hier eine große Rolle. Sie durchzieht seit Jahrzehnten die Stadtgesellschaft und könnte Vieles und Viele auf die Beine stellen. Dann ließen sich die anderen Parteien nicht lange bitten. Es ist die ureigene Aufgabe der Kirchen, nicht nur Asyl zu gewähren, sondern auch die Stimme zu erhebn. Und dies im Wortsinn von der Kanzel herunter und im übertragenen Sinn mit spürbarem Handeln. Gewerkschaften, Sozialverbände und Sportvereine müssen mitziehen. Aushängeschild des Sports ist in dieser Stadt der BVB. Solange aber die Verantwortlichen das Phänomen kleinreden, wird diese Bewegung nicht entstehen.

 

Innenminister Jäger hat ausgerechnet Dortmund zur Drehscheibe in NRW ausgewählt. Wie viele Gedanken er sich vorher machte, wissen wir nicht. augenfällig wird sofort wieder der Unterschied zwischen Bevölkerung und Verantwortlichen. Während die einen einfach ihr Menschsein sprechen lassen, mahnen und warnen die anderen schon am ersten Tag. Die Verwaltung muss nun zeigen, dass sie die Organisation der Hilfsbereitschaft in den Griff kriegt. Sie muss Farbe bekennen und braune Aktionen in die Schranken weisen lassen oder sie gleich ganz unterbinden. Warum soll diese Stadt nicht zum Ziel vieler Flüchtlinge werden. Das ist ein prüfstein, der für die Braunen in dieser Stadt der Endpunkt sein sollte.

 

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Eine Antwort zu Lackmustest fürs braune Nest

  1. Wolfgang Liffers schreibt:

    Die Verantwortlichen lernen einfach nicht, dass ein Problem nicht durch Ignorieren gelöst werden kann. Das sehen wir auf allen Ebenen. „In unserer Stadt gibt es kein Naziproblem.“ „An unserer Schule gibt es keine Drogen“. „In unserem Sport gibt es kein Doping“. Die Liste könnte beliebig verlängert werden.

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