Einleitung

Autor der folgenden Aufsätze zu Themen des Blindenfußballs ist kein Fachmann des Sports. Weder Übungsleiter noch Mediziner haben mitgewirkt. Nicht wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern eigene Beobachtungen sowie dazugehörige Gedanken fließen in die Texte ein. Der Autor war Aktiver und Funktionär. Er war im Aufbau auch Trainer der eigenen Fußballmannschaft.

Naturgemäß setzen sich die dargelegten Überlegungen dem Vorwurf der Subjektivität aus. Dies wird bewusst in Kauf genommen und bietet auf diese Weise vielleicht vermehrten Anlass zur Diskussion.

Denn darum geht es letztendlich. Der Blindenfußball ist in Deutschland eine junge Sportart. Ins kalte Wasser stürzten sich sowohl Aktive wie auch Initiatoren von Turnieren, Bundesliga und Nationalmannschaft. Somit ist es an der Zeit, sich einmal tiefere und weiterführende Gedanken um den Blindenfußball zu machen. Nur auf diese Weise kann es gelingen, diesen rasanten Sport aus seiner turbulenten und erfolgreichen Startphase in eine sichere Zukunft zu führen.

Feste Strukturen einer Meisterrunde sowie weiterhin ein hohes Maß an individuellem Engagement der Aktiven sind hierfür unabdingbar. Die Mehrung der Blindenfußballer muss eines der wichtigsten Ziele bleiben. Das positive Herangehen an den Blindenfußball seitens der Öffentlichkeit muss weiterhin durch attraktiven Sport genährt werden. Fußball ist eine Marke in Deutschland. Diesen unschätzbaren Vorteil sollte diese junge Behindertensportart nutzen.

Nicht nur für die Beteiligten sind die folgenden Aufsätze gedacht. Gerade den Unbeteiligten, die sich für Blindenfußball interessieren, sollen die Besonderheiten, manche Feinheiten und auch die Parallelen zum bekannten Fußball nahegebracht werden. Dieser Sport hat seine Eigenheiten, doch letztlich muss auch hier der Ball einfach nur ins Tor.

 

 

Das Spiel

 

Es ist nicht gerade eine spannende Herausforderung, das Spiel Blindenfußball zu beschreiben. Anschauen ist immer besser. Dennoch will ich mich dieser Aufgabe kurz und knackig widmen.

 

Anders als z.B. der Torball ist Blindenfußball eine Freiluftsportart. Dies macht für die ballspielenden Blinden einen besonderen Reiz aus. Dem Wetter wird bis zu einem gewissen Grad getrotzt. Erst bei so starkem Regen, dass dessen Plätschern die Rassel des Balls übertönt, wird ein Spiel unmöglich, Gleiches gilt natürlich, wenn das Wasser den Platz überflutet.

 

Der Untergrund soll möglichst glatt und eben sein. Von Beton über Holz, Tartan bis hin zu Kunstrasen ist alles denkbar. Letzterer ist wohl der beste Untergrund. Der Aktive läuft weich und dennoch ist der Ball gut zu hören. Kurz gemähter Naturrasen soll auch sehr angenehm sein. Hierauf wurde bisher jedoch fast nie gespielt.

 

Das Spielfeld ist 40 Meter lang und 20 Meter breit. Diese Maße sind nicht starr einzuhalten. Je nach örtlichen Gegebenheiten können diese Abmessungen leicht über- oder unterschritten werden. Das Feld der Blindenfußballer hat somit nicht einmal die Ausmaße eines halben Fußballfeldes bei elf gegen elf. Für die Feldspieler entsteht zumeist ein Spiel der kurzen Wege, der kurzen Sprints. Der Torwart kann den Ball mittels Abwurf bis vors gegnerische Tor befördern, obgleich der Ball vor der Mittellinie einmal aufsetzen muss. Abschläge sind nicht erlaubt. Sie wären bei der geltenden Regel des Aufsetzens vor der Mittellinie auch ausgesprochen unzweckmäßig.

 

Die Seitenlinie des Platzes wird durch eine Bande gebildet. Diese ist i.d.R. einen Meter hoch. Die Bande soll einem Meter über die Grundlinien des Feldes hinausragen. An der Mittellinie befindet sich eine Tür, durch die Auswechslungen vorgenommen werden. Die Bande darf ins Spiel einbezogen werden. Festhalten an der Bande ist nicht gestattet. Überfliegt der Ball die Bande, gibt es Einschuss und keinen Einwurf. Der Ball wird von der Bande aus wie ein Freistoß ins Spiel gebracht.

 

Die Tore sind drei Meter breit und zwei Meter hoch. In der Höhe entsprechen sie beinahe gewöhnlichen Fußballtoren, ihre Breite ist aber wesentlich geringer. Vor dem Tor befindet sich der Torwartraum, der sich an jeder Seite einen Meter über die Torbreite hinaus und zwei Meter ins Feld hinein erstreckt. Nur innerhalb dieses kleinen Raumes darf sich der Torwart bewegen. Verlässt er diese Zone, gilt dies als Foul. Hinter dem Tor steht ein Rufer der gegnerischen Mannschaft.

 

Auf den Ball wird an anderer Stelle näher eingegangen. In seiner Hülle enthält er ein Klangsystem, damit er bei Bewegung hörbar ist. Bleibt der Ball unhörbar liegen und wird nicht zügig gefunden, gibt es Schiedsrichterball. Der Referee lässt den Ball zu Boden fallen. Nach dessen Aufsetzen darf er wieder gespielt werden.

 

Auf dem Platz stehen vier blinde oder sehbehinderte Feldspieler oder -spielerinnen. In der deutschen Bundesliga ist eine Sehkraft von bis zu 10 % erlaubt. Chancengleichheit wird in zweierlei Weise hergestellt. Die Augen werden mit sog. Eyepads – weichen Augenpflastern – verklebt. Hierüber wird noch eine lichtundurchlässige Brille – meist aus Stoff – gezogen. Die Schiedsrichter haben sehr darauf zu achten, dass diese Vorgaben genau eingehalten werden. Auch nur ein wenig optische Wahrnehmung verschafft dem Spieler enorme Vorteile.

 

Die Spielzeit beträgt zweimal 25 Minuten, ist also wesentlich kürzer als im sehenden Fußball. Pro Halbzeit darf jedes Team eine Auszeit nehmen, um sich mit dem Trainer zu besprechen. Ausgewechselt werden darf unendlich oft.

 

Neben den persönlichen Fouls, die man aus dem sehenden Fußball kennt, werden im Blindenfußball auch sog. Mannschaftsfouls gewertet. Die Fouls eines Teams werden je Halbzeit addiert. Ab dem vierten Mannschaftsfoul je Halbzeit wird der Freistoß nicht vom Punkt des Vergehens aus, sondern vom Achtmeterpunkt ohne Mauer ausgeführt. Er gleicht einem Strafstoß aus etwas größerer Distanz. Der gewöhnliche Strafstoß wird vom Sechsmeterpunkt aus geschossen. Der Sechser entspricht also dem Elfer im sehenden Fußball. Begeht ein Spieler sein fünftes Foul im Spiel, wird er vom Platz gestellt, darf aber ersetzt werden.

 

Geleitet wird das Spiel von einem Hauptschiedsrichter und dessen Assistenten. Beide befinden sich auf dem Spielfeld. Hinzu kommt ein dritter Schiedsrichter an der Mittellinie außerhalb des Feldes, der die Entscheidungen seiner Kollegen für Zuschauer und Aktive bekanntgibt.

 

Einwürfe gibt es ja nicht, Eckstöße sehr wohl. Sie unterliegen sehr ähnlichen Regeln wie der Eckstoß im sehenden Fußball. An anderer Stelle wird sehr ausführlich auf die Ausführung eines Eckstoßes eingegangen.

Dies sind im Überblick die Bedingungen, unter denen ein Blindenfußballspiel stattfindet. Einige Besonderheiten sind zu konstatieren. Doch vergleicht man den Blindenfußball mit dem Hallen-Soccer, wie er immer weitere Verbreitung findet, ist der Unterschied schon gar nicht mehr so gravierend.

Für den Zuschauer bietet der Blindenfußball all das, was der sehende Fußball auch bietet: Tore, Zweikämpfe. Kombinationen, Einsatz, Engagement, Paraden …

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