Gewaltkur

Am Donnerstag trafen sich acht Staatslenker in Wien zum sog. Westbalkan-Gipfel. Sie vertraten Mazedonien, Kosovo, Albanien, Serbien, Montenegro und Bosnien-Herzegowina. Dazu kamen Österreich und Deutschland. Ins Leben gerufen wurde dieser Kreis vor einem Jahr, um über die EU-Annäherung dieser Staaten zu sprechen. Der Flüchtlingsstrom und eine akute Katastrophe überschatteten das Treffen.

Denn nur 50 Kilometer von Wien entfernt stand zu dieser Stunde ein Kühllastwagen. Ein Lastwagen, in dem 71 Leichen eingepfercht waren. Menschen, die auf der Flucht elendig erstickt sind. Während sie also in der Wiener Hofburg parlierten, mussten andere Menschen rund um diesen Gruselcontainer Spuren sichern und sich der verwesenden Fracht nähern.

Nun haben wir ja gestern gelesen, wie gern Politiker an den Ort des Geschehens reisen. Hier wäre für die versammelten Staatenlenker die Gelegenheit gewesen, einmal die Luft der Realität zu schnuppern. Die Luft, die diese 71 Menschen nicht mehr bekamen und elendig starben. Die Luft, die jetzt dem Container entströmt und vermutlich binnen zehn Sekunden ohnmächtig macht. Weit wäre es nicht gewesen. Abgesperrt war das Areal auch. Sie wissen ja, die Vertreter der freien Welt müssen immer ganz besonders eingesperrt, d.h. bewacht werden. Dort hätten sie in die Montur echter Retter schlüpfen können. Einschließlich Gasmaske. Das tun sie gern. Auf jedem überfluteten Deich sehen wir einen Politiker mit Gummistiefeln und Regenmantel. Freilich hätte Merkel das Treffen mit dem polnischen „Europafreund“ Duda verpasst. Macht nichts. Der erzählt ohnehin nur, warum Polen niemanden aufnehmen kann. Heute könnten sie und ihre sieben Kollegen in die Pathologen-Kluft schlüpfen. In der Nähe Wiens wird unter gekühlten Bedingungen versucht, die geflüchteten Menschen zu identifizieren.

Möglicherweise wäre das ein heilsamer Schock. Ein Schock, der sie dazu bringt, ihre Arbeit zu machen. Die könnte so aussehen: Im Mittelmeer fahren genug europäische Schiffe herum, die die Menschen auf dem Meer retten. In erster Linie müssten die Schiffe von der jeweiligen Marine der mitmachenden Länder gestellt werden. Italien und Griechenland würde ich hinzunehmen. Dann machen diese Schiffe zum ersten Mal was Vernünftiges. Der Vorschlag, Auffanglager zum Registrieren auf dem afrikanischen Festland aufzubauen, ist idiotisch und sorgt nur für Verzögerung. Libyen ist von Stammeskriegen zerrissen. Dort geht das nicht. Das weiß auch jeder, der solche Vorschläge macht. Also möglichst alle schnell und sicher auf dem Meer aufgabeln.

Die europäischen Schiffe bringen die Menschen sicher nach Griechenland und Italien. Dort gibt es von der EU betriebene und bezahlte Willkommenslager. Die Flüchtlinge werden registriert und medizinisch versorgt. Die Kapazität dieser Lager muss ausreichen. Zügig werden die Menschen in die Länder gebracht, in die sie möchten. Per Zug oder Bus. Kostenfrei. In den Zielländern gibt es wieder Willkommenslager, die die Asylanträge bearbeiten und die Menschen auf die Kommunen verteilen. Damit ist das Schleusen und Schleppen der Afrikaner und Syrer unnötig. Die Polizei wird entlastet. Die Kosten sinken. Ein Aufrüsten der Polizei und Grenzwachen sowie eine Verschärfung der Gesetze entfällt.

Gemeinsam mit den Balkanländern wird eine sichere Route für Albaner und Kosovaren organisiert. Gemeinschaftlich finanzieren die beteiligten Staaten Bus- und Zugreisen. In den Zielländern, also vor allem in Deutschland, landen die Menschen in anderen Willkommenslagern. Dort wird ihr Asyl- oder sonstiger Antrag zügig geprüft. Wer nicht einreisen darf, wird auf demselben sicheren Weg wieder zurücktransportiert. Transporte jeweils kostenlos. Da ja die meisten zurückgeschickt werden, stehen sie nicht ohne Geld wieder zu Hause. Schleusen und Schleppen entfällt, weil es unnötig ist. Alles weitere auch – siehe oben.

Waffen- und ähnliche Lieferungen in Länder, aus denen Flüchtlinge kommen, werden grundsätzlich verboten. Alle weiteren Waffenlieferungen werden streng geprüft und damit enorm reduziert. Waffenfabriken werden auf Kosten der Steuerzahler in Fabriken für bspw. Straßenbahnwagen umgewandelt. Die Arbeitskräfte werden umgeschult.

In Brüssel wird ein Topf für Flüchtlinge aufgemacht. Dort hinein zahlen alle EU-Länder, die keine Menschen aufnehmen. EU-Länder, die aufnehmen, entnehmen Geld. Diese Lösung muss notfalls mit Druckmitteln innerhalb der EU durchgesetzt werden.

Gleichzeitig setzt sich die EU ausnahmslos für friedliche Lösungen auf der Welt ein. Staaten, die Krieg unterstützen, bekommen keine Hilfe mehr. Die anderen werden ab jetzt fair behandelt. Subventionierte Waren aus Europa haben zum Beispiel auf afrikanischen Märkten nichts mehr zu suchen.

Ich weiß, der Schock muss schon sehr heilsam sein. Deutlich wird auf jeden Fall, dass es viel zu tun gibt. Klar wird weiterhin, dass es Lösungswege gibt, die ohne strengeren Einsatz der Sicherheitskräfte klappen und vil besser funktionieren. Uns EU-Bürgern bleibt ein weiteres Stärken des Polizeiapparates erspart. Die letzteren Ideen werden immer schwerer umzusetzen sein. Doch sind es die notwendigen, wenn Menschen in vielen Ländern wieder lieber zu Hause bleiben wollen als sich auf den Weg ins weit entfernte Europa zu machen. Denn eines ist doch gewiss: Der Mensch bleibt lieber daheim als zu flüchten. Was wir erleben, sollte eine vorübergehende Ausnahme bleiben. Falls nicht, stehen wir am Beginn einer schlimmen Entwicklung.

 

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