Jacke wie Hose

Rob16 hat also beschlossen, länger zu bleiben und sich die Menschen besser anzusehen.

Ein wenig ziellos wandert er durch diesen merkwürdigen Vorort namens Hörde. Die Menschen sehen sehr unterschiedlich aus, stellt er fest. Es gibt kleine und große, breite und schmale, laute und leise. Es gibt welche, die lächeln und welche mit einem traurigen Gesicht. Da auf seinem Heimatplaneten die Emotionen abgeschafft wurden, ist dieser letzte Aspekt für Rob16 außerordentlich spannend.

Eine junge Frau macht einen besonders traurigen Eindruck. Sie ist dünn, ziemlich schmutzig und riecht auch nicht besonders gut. Ganz langsam schleicht sie durch die Straßen. Rob16 folgt so unauffällig er kann.

In einer Seitenstraße schlüpft die junge Frau durch die geöffnete Tür eines kleinen Ladens. „Jacke wie Hose“ steht in großen blauen Buchstaben am Schaufenster. Hier verkauft man gebrauchte Klamotten. Rob16 ist stolz, dass er dieses Wort aufgeschnappt hat, denn es findet sich nicht in seinem ordentlichen Wörterbuch. Wenn er es für sich benutzt, fühlt er sich fast ein bisschen wie ein Einheimischer.

„Ah, sie will sich „Klamotten“ kaufen“, schlussfolgert er.

Über dieses Kaufen hat er sich längst informiert. Auf dem Planeten Erde ist fast nichts ohne Kauf bzw. Verkauf zu bekommen. Als Tauschmittel braucht man das sogenannte Geld. Davon haben manche Menschen mehr und manche weniger – aber alle brauchen es.

„Kann ich mal eure Toilette benutzen, Alexej?“ fragt die junge Frau den Mann an der Kasse schüchtern?“

„Klar. Du weißt ja, wo sie ist, Nina“, lautet die Antwort.

Das hat Rob16 nun nicht erwartet. Doch keine Klamotten kaufen? Aber was will sie dann hier in diesem Laden?

Es geht weiter!

Alexej mustert die junge Frau aufmerksam. „Sag mal, Nina, hattest du heute schon ein Frühstück?“

„Nee, du weißt ja, ich bin pleite….“.

Oje, pleite heißt: kein Geld. Das hat Rob16 schon gelernt. Also kein Frühstück und keine Klamotten. Ganz klar. Denn ohne Geld geht gar nichts.

Alexej dreht sich zu seiner Kollegin um, die im hinteren Bereich Blusen sortiert. „Sigrid, wir haben doch bestimmt noch einen Kaffee und ein Brötchen übrig, oder?“

Und zu Nina gewandt: „Geh nach hinten zu Sigrid. Die gibt dir ein Frühstück. Aber lass dafür heute die Finger vom Schnaps, versprochen?“

Nina eilt nach hinten und Alexej murmelt vor sich hin: „Das mit dem Schnaps klappt sowieso nicht, aber dann hat sie wenigstens etwas im Magen“!

Während Rob16 noch versucht, diese Geschichte einzuordnen, kommt eine weitere Frau durch die Tür. Die hier ist ganz anders. Fröhlich, sauber und gut genährt. Sie trägt in jeder Hand einen Korb mit Erdebeeren.

„Hier, Alexej, ich lass euch einen Korb da. Wir können ja gar nicht alle essen. Lasst es euch schmecken!“

Auch dieses Mal wechselt kein Geld den Besitzer.

Rob16 ist mit dieser Beobachtung überfordert und auch ein bisschen sauer. Er hatte das mit dem Geld so gut recherchiert. „Ich habe denen nach Hause gemeldet, dass man ohne dieses merkwürdige Tauschmittel gar nichts bekommen kann. Ja, stimmt das denn nun oder nicht? Was mache ich denn jetzt? Muss ich einen neuen Bericht schreiben? Ich möchte doch nicht dauernd zugeben, dass ich mich geirrt habe“.

Wieder einmal kratzt sich Rob16 ratlos am Kopf. Aber er ist pragmatisch. „Das beste ist es, die Recherchen erstmal weiter auszudehnen“, denkt er sich. Dann sehen wir weiter!

Und etwas noch viel Merkwürdigeres passiert: als Rob16 weiter durch den Clarenberg schlendert, pfeift er fröhlich vor sich hin. Er selbst merkt es gar nicht.

 

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