Hoffnung für die Erde

Rob16 sitzt in seinem Weltensucher. Eigentlich braucht er den nicht. Sein Metallkörper ist raumtauglich. Für sein kleines Triebwerk sind die 49 Lichtjahre zum Zielplaneten jedoch zu weit. Die letzten Koordinaten laufen ein. Rob1 gibt die Startfreigabe.

Wieder einmal bricht einer von ihnen auf. Sie suchen eine Welt, die vielleicht den gleichen Weg geht wie sie vor tausenden von Jahren. Damals waren sie noch biologische Wesen und hatten ihren Planeten ziemlich runtergewirtschaftet. Der Ausweg war die eigene Robotisierung. Mehr und mehr biologische hatten sie durch mechanische Teile ersetzt. Bis heute nur noch das Gehirn biologisch ist.

Der Flug verläuft ruhig. Knapp vorm Zielsystem fängt Rob16 so eine Art Blechdose ein. Darin stecken Informationen, mit denen irgendwer von seinem Planeten erzählt. Interessant ist das nicht und die Dose wird wieder aus dem Weltensucher gestoßen. Rund um den Zielplaneten gibt es wieder Hoffnung. Lauter Roboter kreisen dort. Leider alle sehr primitiv. In einer großen Dose mit vielen Funktionen stecken biologische Anteile. Das sind aber eigenständige Lebewesen. Ein schlechtes Zeichen.

Rob16 umkreist drei Tage lang den Planeten. Da gibt es hoffnungsvolle, fahrende Roboter. Doch am Ende steigen immer biologische Wesen aus. Bei manchen Lebewesen sieht es aus, als sei die Hand durch einen Bildschirm ersetzt. Doch manchmal stecken die Wesen den Bildschirm in die Tasche und ziehen eine Biohand wieder heraus. Hoffnung machen Lebewesen, die zügig durch Parkanlagen laufen. Die haben mehrere Messgeräte am ganzen Körper. Aber Ersatzteile sind das auch nicht. Rob16 will schon enttäuscht die Heimreise antreten, da schlägt sein Messgerät heftig aus. Der Mindestwert ist überschritten und so holt Rob16 dieses Wesen zu sich an Bord des Weltensuchers.

Das Verhör unter dem Gedankenzeichner ergibt folgendes: „Mein Name ist Gustav. Ich bin 40 Jahre alt und habe keine Kinder. Ich bin blind. Um selbständig zu sein wie alle anderen, nutze ich Hilfsmittel. Der elektronische Blindenstock gibt mir mittels Vibration Auskunft über die Bodenbeschaffenheit in die rechte Hand. An Ampeln halte ich ihn hoch, damit er mir Rot oder Grün ansagt. Vor Geschäften kann er die Leuchtschrift oberhalb der Schaufenster lesen. In der anderen Hand halte ich das Smartphone. Diess vibriert ebenfalls und zeigt mir damit den vorher eingespeicherten, hindernisfreien Weg an. Außerdem habe ich einen Ohrhörer im linken Ohr, der mir zur Vibration Zusatzinformationen gibt. Beispielsweise, wo eine Ampel steht. Das Programm heißt „M hoch 4“. Im rechten Ohr habe ich den Lautsprechr meines Fußgänger-Navigationssystems. So weiß ich immer, auf welchem Weg ich gerade bin. Auf der Nase trage ich eine Brille, die den Kopf- und Brustbereich vor mir abtastet. So bin ich sicher vor Querstangen und anderen hervorstechenden Hindernissen. Der Mund bleibt frei, um alle Geräte mit Sprachbefehlen bedienen zu können. Am Bauch kleben Sensoren, die vibrieren. Sie zeigen mir das vor mir liegende Bodenniveau, also Treppen oder Baugruben an. In meinen Schuhen stecken Sensorsohlen. Sie lenken mich in Kombination mit dem Navi zum gewünschten Ziel. Zeigt eines der Geräte doch einmal Gefahr im Verzug an, kriegen meine Füße Stromstöße, um mich hier wegzubringen. In meinem Rucksack trage ich einen fünf Kilo schweren Akku, um alle Geräte mit Strom zu versorgen. An meinem Körper sind etwa 130 Meter Kabel verlegt.“

Rob16 ist begeistert! Seine elektronischen Augen leuchten. Der Anfang ist gemacht. Bei vereinzelten Lebewesen hat der Prozess der Robotisierung schon gute Anfänge erlebt. Gustav wird zurück auf die Erde geschickt. Diese Welt werden sie im Auge behalten. Hier besteht Hoffnung auf Vollrobotisierung. Wenn die nur alle blind wären!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rob 16 veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s