Das falsche Schießgewehr

Deutschland, also auch das vereinigte, hat ja eigentlich gar keine richtige Armee. In Afghanistan haben „unsere Jungs“ nur Brunnen und Mädchenschulen gebaut. Das haben die gemacht, weil ihr eigentlicher Auftrag keine Arbeit mehr versprach. Niemand wollte Deutschland angreifen. Deshalb konnte die Bundeswehr das Land auch nicht verteidigen. Bis 1989 stand wenigstens noch der Russe vor der Tür und wir konnten so tun, als ob. Dann ging der Russe weg und die NATO breitete sich nach Osten aus. Bis in der Ukraine Schluss war. Das klappte nicht mehr. Jetzt steht also keiner mehr vor der Tür und deshalb darf die Bundeswehr auf einmal auf Reisen gehen. Erst eine kurze Reise nach Jugoslawien, später nach Afghanistan und mittlerweile weiß selbst Ursula vd Leyen nicht mehr, wo die Bundeswehr überall hingereist ist.

Nachdem dann vor ein paar Jahren erst Horst Köhler und dann Theodor zu Guttenberg verraten haben, dass die Bundeswehr auch schießt, kommt unser Gewehr ins Spiel. Also nicht unser Gewehr, sondern das von Heckler & Koch. Das G36-Sturmgewehr.

Entgegen der landläufigen Meinung, dass deutsche Arbeit immer Wert habe, gab es plötzlich Kritik an dieser Wertarbeit deutscher Handwerkskunst. Bei großer Hitze oder Dauerfeuer schieße das G36 nicht mehr präzise. Ursula hat dazu sogar ein Gutachten anfertigen lassen. Darin wird nachgewiesen, dass dieses Produkt der Firma Heckler & Koch besagte Mängel aufweise. Und dies wurde auch noch öffentlich gemacht. Offenbar hatten weder der Gutachter noch Ursula die Einkaufsabteilung des eigenen Ministeriums befragt. Denn es gab keinerlei Gewährleistungsansprüche seitens der Bundeswehr gegenüber Heckler & Koch. Weder nahmen die die G36 zurück und lieferten neue noch kriegte die Bundeswehr irgendwelche Euros zurück. Jedenfalls ist mir davon nichts bekannt. Schon von anderen Fällen aber ist bekannt, dass die Bundeswehr-Einkäufer solche – an sich üblichen Klauseln – gern mal vergessen. Wir dürfen also mit größerer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass die Menschen bei Heckler & Koch gut befreundet sind mit den Einkäufern bei der Bundeswehr. Man kennt sich halt aus jahrelanger Geschäftsbeziehung. Prominentester Kumpel ist vermutlich Volker Kauder. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion gewinnt regelmäßig den Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen, in dem Heckler & Koch seinen Stammsitz hat.

Die Leute da in Rottweil-Tuttlingen dachten sich nun: Die Ursula durfte einmal öffentlich rumzicken mit ihrem Gutachten, dann dürfen wir das auch einmal. Sicher war dies mit den Freunden im Ministerium abgesprochen. Heckler & Koch meinte nun, ja, das sei schon richtig mit den Schwächen des Gewehres G36. Es handle sich eben um ein Sturmgewehr. Das sei relativ leicht gebaut, damit es beim Stürmen von bspw. Häusern besser getragen werden könne. Für lange Gefechte von Schützengraben zu Schützengraben sei das gar nicht gedacht. Dass Ursula sowas nicht weiß, überrascht uns nicht. Bis vor kurzem hatte die sich noch mit Kitas beschäftigt. Welche Profession der Gutachter hat, wissen wir nicht. Jedenfalls hat denen niemand erklärt, dass so ein Sturmgewehr nicht zum Dauerschießen geeignet ist. Die Erklärung von H & K klingt einleuchtend. Den Soldaten hatte das auch niemand gesagt. Oder die hatten die Gebrauchsanweisung nicht richtig gelesen. Können wir auch verstehen. Bis vor kurzem durften die sowas ja gar nicht lesen, weil sie nur Mädchenschulen bauten.

Nach dem öffentlichen Aufruhr kehrte Ruhe ein. Heute am 28. August begegnet uns eine kleine Meldung. Die Bundeswehr kauft bei Heckler & Koch 1.200 andere Gewehre. Die sollen auch bei Hitze und längeren Gefechten richtig schießen können. Der Steuerzahler berappt dafür voraussichtlich 18 Millionen Euro. Schon in einem Jahr sind die Schießgewehre einsatzbereit. Hier sehen wir, wie gut die Leute aus Baden-Württemberg mit denen in Berlin befreundet sind. Sie kaufen bei derselben Firma Gewehre, bei denen sie schon die untauglichen gekauft haben. Das ist wahre Treue zu einer Firma! Was die neuen Gewehre jetzt ein Jahr lang machen, bis sie schießen können, bleibt unklar. Sicher, die Soldaten sollen diesmal vermutlich die Gebrauchsanweisung lesen. Je nach IQ kann das eine Weile dauern. Aber ein Jahr? Solange müssen „unsere Jungs“ jetzt „im Feld“ noch mit den falschen Gewehren schießen.

Mein Vorschlag ist, sie hören überhaupt auf zu schießen. Weder falsche noch richtige Gewehre werden irgendeinen Segen bringen. Beispielsweise könnten die Soldaten auf den griechischen Inseln Lazarette aufbauen, um den ankommenden Flüchtlingen zu helfen. Auch Suppenküchen und Schlafzelte wären gut. Die 18 Millionen Euro wären dort gut angelegt und würden eine Weile reichen.

 

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