Sturzbäche

Ausflug zum Hagener Freilichtmuseum am 5. Juli 2015

 

Nach der Wärme der vergangenen Tage überschütten uns die Medien mit Warnungen. Warnungen vor Hitze, vor Gewittern, vor Hagel, vor sintflutartigen Regenfällen, vor orkanartigen Böen – wir werden belehrt darüber, was wir essen, was wir trinken, was wir tun, was wir unterlassen und wie wir überhaupt weiterleben können.

Aber wir sind ja mutige Löwen und stürzen uns in die Unwägbarkeiten eines mitteleuropäischen Sommertages.

 

Wasser ist das prägende Element unseres Ausflugs ins Hagener Freilichtmuseum. Doch bevor es nass wird, wollen wir Susannes Überraschung nicht vergessen. Nicht etwa, weil wir diesmal den DSW-Ferienplan berücksichtigt haben. Den haben wir jetzt im Griff. Liebevoll wartet Susanne sogar am Stadtgartengleis. Etwas verblüfft ist sie, als Thorsten einen Notkauf ankündigt. Der erste Kiosk wird noch von zwei Reisenden belagert, erst im zweiten gibt es Zigaretten für die Reise. Ansonsten verläuft die Hinfahrt sehr planmäßig. Wir erörtern im Zug nach Hagen so schwierige Fragen wie den 10-Punkte-Plan des BPN. Thorsten hat den analysiert und mit Kommentaren versehen ausgedruckt. In diesen ernsten Betrachtungen werden wir zweimal gestört von einem Mitreisenden, dem es auch schon mal besser ging. Zigarette hinterm Ohr, Flachmann in der Hand und die etwas unartikulierte Sprache deuten auf sein Problem hin. Er ist sehr wissbegierig, aber sehr höflich. Er geistert so durch den Zug. Ob er jemals in Wuppertal ankommt, wissen wir nicht. Es ist angenehm an diesem Morgen in Hagen. Leider gibt es hier kein Tastmodell. Sehr schade. Wiederum wäre das vielleicht auch langsam zu viel gewesen für das arme Gespenst Mit der Kassiererin spreche ich noch darüber, dass das größte Gewitter wohl vorbei sei. Es empfängt uns eine schöne Landschaft. Unterm großen Holzdach des Eingangs treten wir hervor in Wald und Bachlandschaft. Überall rauscht es. Als Kenner des Rüpingsbaches beobachten wir den hiesigen Verwandten von jeder Brücke und schätzen dessen Tiefe ab. Wir lauschen dem Gurgeln und Strömen. Währenddessen nimmt das Tröpfeln von oben zu. Wir beiden Kaffee-Eulen machen Rast am ersten Kiosk. Die Rast wird lang. Denn ein Sturzregengewitter von gehöriger Länge geht hernieder. Wir drücken uns an die Theke unters Dach. Dennoch sind wir gut durchnässt, als nach etwa einer halben Stunde Beruhigung einkehrt.Das ist gut so, denn als nächstes betreten wir den Experimentierpark für Wasser. Ein Schritt ist zu kurz und der Fuß in der Rinne. Wasser überall! Längst ist die ganze Technik in Susannes kampferprobtem Rucksack verschwunden. (Nur gut, dass ich ausnahmsweise die Steine zuhause gelassen habe). Vom Schmied erfahren wir viel über sein Handwerk und die Arbeitsbedingungen vor 200 Jahren. Um es vorsichtig zu sagen, die Kinder durften mit anpacken. Der Kinderschutzbund war noch nicht geboren. Natürlich wurden auch die Schmiedehämmer hier mit Wasserkraft angetrieben.Das „Mit Anpacken“ der Kinder ist tatsächlich ein ziemlicher Euphemismus für das, was sie leisten mussten. Sie schufteten mit 9 Jahren an den Blasebälgen und wurden mit 10 oder 11 Jahren befördert. Sprich, sie durften sich am Feuer kaputt malochen. 12 bis 14 Stunden am Tag. Dabei standen sie mit den Beinen in Bottichen mit kaltem Wasser, damit sie die erzeugten 120 Grad irgendwie überstehen konnten. Frühstück gab es auch nicht vor Arbeitsbeginn, da der Kreislauf das nicht mitmachte.

Wir wandern weiter durch die hügelige Landschaft. Überall begegnet uns der Bach. Immer wieder tauchen kleine Ansammlungen von Fachwerkhäusern auf. Susanne freut sich sehr über die vielen schönen Blicke. Mittags stranden wir natürlich wieder bei einer Tasse Kaffee und den obligatorischen Tomaten. Es ist schön hier – friedlich und ruhig. Dies wäre auch ein perfekter Ort für den Bauernhof. Inzwischen ist die Sonne hervor gekommen und so halten wir es lange aus und unterhalten uns.

Thorsten wirft die Frage auf, welch weiten Weg ein Regentropfen wohl hinter sich hat, wenn er auf unserem Kopf zerplatzt.

Dazu nachträgliche Infos aus dem Internet:

Der Regentropfen hat einen weiten Weg hinter sich. Je nach Höhe der Wolken können das mehrere 1000 m sein

Bemerkenswert sind noch die vielen ferngesteuerten Männer. Nein, fernsteuernden Männer muss es heißen. Boote, Autos und Flugzeuge gehorchen hier den gesendeten Wellen. Sie springen über Schanzen und quäken über den Teich. Frauen nur als Zaungäste erwünscht. (Wieder so ein Beispiel dafür, welch wichtige Domänen es für uns Frauen noch zu erobern gilt!) Die Rückreise verläuft fast ereignislos. Eine Dame, die vielleicht unter der Hitze leidet, steigt in unseren, für sie aber falschen Zug. Sie wirkt verwirrt. Hagens Bahnhof hat sprechende, beschriftete Aufzüge. Es ist hart, aber selbst hier sind sie weiter als bei uns. Susanne hat eine pfiffige Rückfahrt geplant. Wir fahren über Wetter. Hierher hätte uns auch der eigentlich vorgesehene Wandertag mit dem SGV geführt. Am Bahnhof Kruckel denken wir an unseren illegalen Winterspaziergang am Rüpingsbach. In Barop steigen wir aus. Denn hier ist Thorsten fast zu Hause.

 

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