Autofahrer am Bruchheck

Die Abenteuer von Rob16 auf dem Planeten namens Erde 

Wieder einmal bricht einer von ihnen auf. Rob16.
Er sucht eine Welt, die vielleicht den gleichen Weg geht wie seine Heimat vor tausenden von Jahren. Damals waren sie noch biologische Wesen und hatten ihren Planeten ziemlich runtergewirtschaftet. Der Ausweg war die eigene Robotisierung. Mehr und mehr biologische hatten sie durch mechanische Teile ersetzt. Bis heute nur noch das Gehirn biologisch ist. Diese letzte Herausforderung scheint unüberwindlich und so kamen sie auf die Idee, in fernen Welten nach Lösungen zu forschen.

Rob16 ist nicht der allerhellste seiner Gattung. Deshalb haben seine Vorgesetzten ihn in einen ziemlich entlegenen Winkel einer am äußeren Rand des Universums liegenden Galaxie geschickt. Hier kann er keinen Schaden anrichten, hofft man. Zurzeit erkundet er einen Planeten namens „Erde“. Ehrgeizig und pflichteifrig zeichnet er minutiös seine vielen – ihm teilweise völlig unbegreiflichen – Erlebnisse mit dessen Bewohnern auf.

Hier ist eins davon: 

Zwei Autofahrer am Bruchheck

Rob16 ist in einer Großstadt am östlichen Rand des sog. Ruhrgebiets gelandet. Eigentlich möchte er hier nur einen Moment verschnaufen, denn er hat sich noch nicht so ganz an die Kräfte zehrenden 20 Grad gewöhnt, die die Bewohner in dieser Jahreszeit auszuhalten haben. Aber dann fesselt ein völlig unerklärliches Ereignis seine Aufmerksamkeit.

Glücklicherweise ist sein Schutzmantel schon aktiviert, sodass er von Erdenbürgern nicht gesehen werden kann. Schnell zückt er sein Aufnahmegerät. 

„Hier spricht Rob16.
Momentan stehe ich in einer Straße namens Bruchheck, Ecke Sugambrerstraße. Ich berichtete ja schon in meiner letzten Übertragung, dass die hiesigen Bewohner sich mit sog. Autos fortbewegen. Eigenartige Blechgeschosse, die sie selbst steuern. Und ich erzählte euch, dass alle Menschen permanent in Eile sind. Heute passiert aber etwas ganz Merkwürdiges. Die Straße Am Bruchheck ist hier so schmal, dass Autofahrer, die aus verschiedenen Richtungen kommen, nach einander diesen Engpass durchqueren. Gerade stehen ein kleines grünes und ein großes weißes Fahrzeug vor einander. Keiner der beiden Fahrer macht Anstalten, zurückzusetzen, damit es weitergeht. Sie scheinen ganz viel Zeit zu haben. Habe ich das mit der Eile doch noch nicht so richtig begriffen?

Die Fahrer gestikulieren heftig und machen es sich anschließend bequem. Der eine legt seinen Arm leger ins Fenster und zündet sich eine Zigarette an. (Das mit den Zigaretten ist auch solch ein Phänomen – das erkläre ich ein anderes Mal). Der Fahrer im weißen Auto öffnet nun ebenfalls sein Fenster und macht Musik an, laute Musik. Dazu trommelt er im Takt auf sein Lenkrad.

Nun verstehe ich gar nichts mehr! Sonst sind doch immer alle in furchtbarer Eile. Ist das eventuell ein Begrüßungsritual? Mal schauen sich die beiden Männer an – dann blicken sie wieder gelangweilt aus dem Fenster. Sie geben sich Mühe, entspannt auszusehen.

Ah ja, nun passiert etwas. Die beiden machen sich wieder Zeichen. Bestimmt will man sich verständigen, wie es weiter geht. Der eine tippt sich mit dem Zeigefinger an den Kopf – der andere zeigt eine Hand mit einem ausgestreckten Mittelfinger. Ob die beiden vielleicht nicht reden können und sich einer Art Zeichensprache bedienen? Oder ist das ein besonderer Begrüßungs-Code?

Hinter ihren jeweiligen Fahrzeugen hat sich inzwischen eine längere Schlange von anderen Autos gebildet. Manche hupen leise, manche laut. Eine Frau steigt aus, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Sie schüttelt immer wieder den Kopf und fährt in die Seitenstraße.

Nach der hiesigen Zeitrechnung dauert diese Geschichte nun schon 5 Minuten. Noch immer kann ich nicht einordnen, was hier passiert. Aber ich werde der Sache auf den Grund gehen! Dessen könnt ihr gewiss sein! Transmission ends.“

Rob16 schaltet sein Aufnahmegerät aus und ertappt sich dabei, wie er sich ratlos am Kopf kratzt. Eine Angewohnheit, die er von den Eingeborenen übernommen hat. Du meine Güte, das muss ich mir wieder abgewöhnen, murmelt er. Es ist ja ein wenig dämlich, sich am metallenen Schläfenimplantat zu kratzen. Diese Menschen sind schwieriger zu durchschauen als ich zunächst dachte. Ich muss wohl noch ein wenig länger hierbleiben und sie aufmerksam beobachten.

 

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