Ein kleiner König sollte Kaiser sein

Zu Weihnachten erzählen wir gern liebevolle, heitere oder besinnliche Geschichten. So erzählen wir die Geschichte eines kleinen Königs, der sich auf göttliche Weisung verirrte und an diesem Weihnachten wohl endlich wieder zur Ruhe kommt.

 

Hannover war ja bereits in früheren Jahrhunderten eine königliche Stadt. Das englische Herrscherhaus hatte an der Leine eine Dependance. Das ist lange her. Doch vor einigen Jahren hatte Niedersachsen wieder einen kleinen König.

 

Dem ging es dort wirklich gut. Er verliebte sich neu in eine jüngere, etwas schillernde Frau. Das war toll für ihn, sorgte in der Provinz für etwas Aufsehen, wurde aber im Olymp nicht weiter beachtet. So ein Kronprinz darf sich schon Eskapaden leisten. Vonwegen Prinz – ein kleiner König braucht eine angemessene Residenz. Erst recht für eine schöne neue Frau. Die Schatzkammer war leer. Aber der König hatte gute Freunde. Davon gab es immer mehr. Der König und seine Frau hielten Hof und wurden immer häufiger eingeladen. Es lebte sich hübsch im weithin unbeachteten Hannover.

 

Doch im Olymp braute sich Unheil zusammen. Göttin Angelina hatte Ärger mit dem Kaiser des Reiches. Horst I. war auf Reisen gewesen und hatte was ausgeplaudert. Das Reich führe Krieg wegen wirtschaftlicher Interessen. Pfui! Krieg machen wir nicht, nur Aufbauhilfe. Und diese nur aus humanitären Gründen. Das hatte Horst I. wohl vergessen. Die vier apokalyptischen Reiter aus dem presseland schlugen Krach. Bollo, Infantilia, Lump und Doofmann forderten des Kaisers Kopf. Und der fiel.

 

Nun dachten die roten Ritter, sie dürften einen prima Kaiser aus ihren Reihen krönen. Die schwarze Göttin Angelina hatte aber was dagegen. „Euren Pastor Gauckus mögen zwar alle. Doch er hat die falsche Farbe!“ sprach sie. Angelina schickte ihre Boten ins Reich. Einer kam aus Hannover zurück und war ganz begeistert. „Da haben wir einen netten König mit einer strahlenden Gemahlin. Welch schönes Bild für eine Kaiserkrönung,“ sprach der Bote. Das fand Angelina auch und ließ König Christianus von den schwarzen und gelben Rittern in der Reichsversammlung zum Kaiser wählen.

 

So zog Kaiser Christianus I. mit seiner Gemahlin Bettina Gloria in ein echtes Schloss in Berlin. Das musste ihm niemand finanzieren. Denn es stand ja schon da in der Nähe des Olymps. Der Kaisr war brav und Göttin Angelina war’s zufrieden. Bis eines Tages böse Zwerge aus dem presseland anfingen, Geshichten vom König Christianus aus Hannover zu erzählen.

 

Wie gesagt, sein Haus sei ihm günstig finanziert worden. Er habe Günstlinge an seinem Hof gehabt. Bei Einladungen habe er sein Essen und den Babyssitter nicht selber bezahlt. Sogar das Bobbycar für den kleinen Sohn habe man ihm geschenkt! Von all diesen Schandtaten erzählten die Pressezwerge nun im ganzen Reich. Die Kunde drang bis an die Elbemündung. Und wiedr ritten die apokalyptischen Reiter Bollo, Infantilia, Lump und Doofmann. Im Reich hießen sie kurz BILD.

 

Kaiser Christianus I geriet in Wallung. Es stimmte mehr oder weniger alles, was die da erzählten. Das hatte auch niemanden interessiert, solange er nur König war. Für einen Kaiser aber schienen all diese Vorfälle misslich. Er wandte sich an Angelina, die ihn schließlich nach Berlin geholt hatte. Die zeigte ihm im Olymp ein hölzernes Spielbrettt und sprach: „Schau Christianus, diese Figuren sind meine Kronprinzen. Laufen sie auf ein falsches Feld, schnippe ich mit den Fingern. Schwuppdiwupp liegen sie unterm Tisch. Verstehst Du das?“ Er verstand, denn unterm Tisch lagen zum Beispiel der starke Roland oder der fesche Rötti Röttgen. Auch Bettina Gloria wusste keinen Rat.

 

So erließ Christianus ein kaiserliches Edikt. Es habe Ruhe zu herrschen im Presseland. Schließlich sei Weihnachten und er der Kaiser. Oh weh – welch schwerer Fehler! Die vier Reiter aus dem Norden gerieten in Zorn. Es traf den Kaiser der Bannstrahl aus dem Presseland. Die Pressefreiheit! Es halfen weder Entschuldigungen noch Rechtfertigungen. Christianus I war nicht mehr zu halten. Er musste raus aus dem Schloss.

 

Doch was nun und wohin? Nicht einmal die schmale Apanage gönnten sie ihm, die er als Ex-Kaiser bezog. Seine ehemaligen Höflinge, die Advokaten in Hannover klagten ihn an. Es kam zum Prozess. Bettina Gloria ließ ihn schmählich zurück und schrieb auch noch ein Buch über ihre Zeit als Kaisers Gemahlin. Christianus war unglücklich.

 

Doch am Ende, in der Adventszeit wird die Geschichte wieder weihnachtlich und gut. Im Presseland waren längst alle besänftigt. Die Richter in Hannover wollten ebenfalls ein friedliches Fest und haben keine Lust mehr auf den Prozess. Der Ankläger schweigt. Kein König mehr, kein Kaiser – aber ein friedliches Weihnachten vor Augen.

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